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Ich wusste was jetzt abging. Ich kannte das von früher.
Mitten in der Nacht konnte man sie hören, mit Vollgas auf den Parkplatz vom Minigolfplatz gerast, mit der Handbremse den Arsch rumgeworfen, gleichzeitig Vollgas im ersten Gang, mit quietschenden und qualmenden Reifen und riesigem Getöse wieder nach vorne an die Hauptstraße geschossen.
Ich war zwar früher auch als Raser bekannt, aber solche Sachen hielt ich immer für zu zerstörerisch.
Da kann das Material nicht halten, da muss das brechen. In diesem Fall lag sogar schon das ganze Steinpflaster auf dem Minigolfparkplatz locker in der Kurve.
 
Tita kam dann um 11:00 Uhr wieder zurück und erzählte uns seine Story von dem alten Tramper, den sie auf der Rückfahrt über Daun mit zur Autobahnauffahrt mitgenommen hatten.
Mit quietschenden Reifen hatten sie zwanzig Meter zurückgesetzt und einen älteren Herrn, der in Daun stand und trampte, eingeladen.
Mit Vollgas sind sie dann die Serpentinenstrecke nach Mehren geblasen.
Rücksichtslos, über das was der Tramper wohl denken mochte, haben sie sich darüber hinweggesetzt und Vollgas gegeben.
Der zeigte sich, überraschenderweise begeistert und wollte wissen, ob Tita schon einmal auf dem Nürburgring gewesen wäre.
„Ja was denkst du denn woher wir kommen? Und der Abt meinte noch „Wir kommen gerade vom Nürburgring.
„Dass ich das noch in meinem hohen Alter erleben konnte. Das hätte ich niemals gedacht. sagte der Mann als er an der Autobahn ausstieg.
Ja, so war das damals mit der Heizerei!
Ich fragte mich schon die ganze Zeit, was wird es zuerst geben? Einen Drogentoten oder einen Unfalltoten?
Ich gelangte damals zu der Auffassung, dass es wohl unschädlicher ist, wenn einer eine Tüte raucht und schlapp wie ein Sack auf der Couch rumhängt und durch die Gegend träumt, als solch ein Hobby zu betreiben.
Es war die Zeit, in der Tita einen Eimer im Kofferraum seines Asconas hatte.
Ich bin ein paar Wochen nach der Party an einem sonnigen Sommertag, nachmittags auf dem Minigolfparkplatz gefahren. Da trafen sich die Jungs nach Feierabend.
Dort ist mir auch der Hainer das erste Mal aufgefallen.
„Wie, du auch hier? „Ja, ja was sonst? war seine knappe Antwort und er ging schnurstracks zu dem Eimer.
Dieser stand im Kofferraum und war mit Wasser gefüllt. Dieses Wasser wurde, der Einfachheit halber, auf dem nahegelegenen Friedhof organisiert und war eigentlich zum Blumengießen für die Gräber gedacht.
Hainer fragte Tita ob das Köpfchen klar wäre und zog hastig und voller Inbrunst den Rauch aus der 2 Liter großen PET-Flasche.
Zum „Eimerrauchen wurde der Boden einer Plastikflasche entfernt, dann setzte man ein „Köpfchen aus Alufolie auf die Flasche.
Jetzt eine gute Mischung in das Köpfchen und Feuer dran gehalten und dann kam der Spruch:
„Jetzt noch eine kleine Schweinerei, das kann ja Niemandem schaden.
Ruck zuck hatte Hainer sich zwei Köpfchen reingezogen. Dann ein kurzer heftiger Hustenanfall und die Sache saß.
Es dauerte noch einen Moment bis er wieder mit uns sprach. Ich nahm ihn mir dann zur Seite und bot ihm an doch mal einen Joint mit mir zu rauchen.
Schön mit Gras.
„Au ja! Das hört sich ja gut an! Doch ich muss dir gleich sagen, ich kann keine Tüte bauen.
Ich war äußerst erstaunt. „Wie das? Ich dachte ich bin hier der Behinderte. Das sind mir die Richtigen. Können Drogen konsumieren wie die Ochsen, aber keine Joints drehen können.
„Ja ich kann das schon, aber die werden nix.
„Ja dann musst du es halt lernen, sonst wird das wohl nix. sagte ich.
Ich hatte damals mein Gras in einem Filmdöschen in der Brusttasche. Wenn es sich ergab und die anderen gerade dabei waren, eine Tüte zu bauen und wenn ich dann auch noch mitrauchen wollte, haben wir von meinem Gras geraucht.
Hainer erschien mir damals sehr naiv.
Wie er die Sache mit dem Suchtpotential der Drogen sah, war für mich nicht so OK.
Er hatte nie Geldprobleme, er brauchte keine Beschaffungskriminalität. Seine Eltern hatten ein großes Geschäft im Dorf und er schwamm in Geld.
Also schwamm er auch in Drogen.
Später habe ich dann mit ihm auch schon mal Tüten geraucht. Es waren Verabredungen, zu denen ich mit meinem Elektrorollstuhl hinfuhr.
Irgendwo im Wald oder an einer Bank.
Es war krass, wie schnell der Untergang kam. Ruck zuck, vom Haschisch rauchen zum Eimer rauchen, dann wurde Kokain geschnupft (man konnte es sich ja leisten).

Vom Koks zum Schore war es dann nicht mehr weit.
Die komplette Latte wurde probiert. Extasy geschluckt und Pepp geschnieft. Halluzigene Pilze wurden gegessen und LSD, das auch Pappe genannt wird wurden nicht mehr verschmäht.
Es ging rund mit dem Hund.
Der innere Schweinehund gewann ständig Oberhand. In dieser Zeit sind dann auch noch zwei der Hauptakteure der ganzen Gruppe gemeinsam in eine Wohnung gezogen.
Die neue Partyhöhle im Dachgeschoss eines Hauses mitten im Dorf.
Selbst mich haben sie da schon einmal die ganzen Treppen hochgeschleppt.
Das war bestimmt ein komisches Bild, wie mein Elektrorollstuhl so verlassen unten vorm Haus gestanden hat. Sie haben mich hochgeschleppt und auf die Couch gesetzt. Innerhalb von zwei – drei Stunden lernte ich mehr Leute kennen, als ich mir merken konnte.
Es war die Hoch-Zeit.
Alles und jeder stand unter Volldampf. Es konnte nicht mehr lange dauern bis die Bombe platzt. Alle übertrieben maßlos und es war zu offensichtlich geworden.
 
Den Hainer, den habe ich das letzte Mal lebend bei einer Feier zum 1. Mai gesehen, oben auf der Hardt. Ich hatte das Gefühl, dass er nicht näher kommen wollte, weil er vermeiden wollte, dass ich sehe wie schlimm es um ihn steht.
Er hatte sich das Haar blondiert, sah ziemlich gestresst und mager aus. Ich habe ihm noch gewunken, er solle mal rüber kommen, doch er hat sich dann lieber verpisst und ist mit seiner Krossmaschine wieder abgezischt.
Etwa zwei Jahre später hieß es dann plötzlich:
„Und? Hast du schon gehört? Der Hainer ist tot!
Ein komisches Gefühl!
Gerade war er noch da, du meinst du hast gestern noch mit ihm gesprochen und schon ist er weg. Ich muss heute noch oft an den Hainer denken.
So wie neulich, als ich auf der Dauner Kirmes durch das ganze Menschengewühl geschoben wurde.
„So, jetzt könnte er hier auf einmal vor mir stehen.
Einmal kurz „Hallo sagen und schon wäre er wieder weg.
Ja, so könnte das sein.
 
Frankfurter Dope – Haschischstängelchen mit garantiertem Flash
 
Es war schrecklich mit anzusehen, wie einer nach dem anderen bei Besorgungsfahrten ins grenznahe Holland von der Polizei erwischt wurde.
Dauner Kennzeichen wurden prinzipiell kontrolliert.
Wie bei den „zehn kleinen Negerlein wurden es immer mehr, die erwischt wurden.
Um ein paar Leute einen neuen Weg, ohne Grenzüberschreitung zu zeigen, sind Hank und ich nach Frankfurt gefahren.
Wir haben meinen krebskranken Onkel im Krankenhaus besucht und anschließend den Frankfurter Hauptbahnhof.
Ich wurde in den Faltrollstuhl gesetzt und wir machten uns auf den Weg um eine Kontaktperson am Frankfurter Hauptbahnhofgelände zu suchen.
Der Bahnhof war heiß wie die Hölle und das gesamte Bahnhofsgelände erschien uns zu unsicher  um irgendwelche Kontaktpersonen anzusprechen.
Hank hätte schon fast einen verdeckten Bullen an der Toilette angequatscht.
Mir wurde die Sache am Bahnhof zu heiß und wir beschlossen abzudrehen in Richtung Kaiserstraße (Puffviertel).
Hier fanden wir dann auch unsere Kontaktperson, ein Mann mir Vollbart, Mütze und Plastiktüten.
Er kannte sich in Frankfurt aus und wusste von einer Szene hinten im Park.
Gar nicht weit.
Und so machten wir uns mit ihm auf und gingen mit ihm zu einem Stadtpark.
Mittlerweile war es schon dunkel geworden und die Szenerie erhielt etwas Unheimliches.
Auf dem Weg begegneten uns völlig fertige Fixerinnen, die sich uns für einen Zwani zum Sex anboten.
Man erkannte sofort, dass es Heroinabhängige waren, im Endstadium.
Frisch verbatscht!
Wir lehnten ab und fuhren weiter, worauf wir hinterher geflucht bekamen.
Etwa fünf Straßenlaternen weiter kamen wir auf ein bushaltestellenähnliches Gebilde, das umsäumt von diversen Steingruppen in der Mitte des Parks lag.
Hier fand sich eine 40 bis 50 Personen große Gruppe im trüben Licht bei leichtem Nieselregen wieder.
Da wir hier völlig unbekannt und fremd waren näherten wir uns vorsichtig und zurückhaltend und bezogen einen freien Steinhaufen in einem Lichtkegel.
Es waren diverse Grüppchen dort, die Tauschgeschäften und Konsum nachgingen.
Es wurde Heroin auf dem Blech geraucht und sich die Spritzen gesetzt.
Es dauerte nicht lange bis der Emsigste von allen, der Hektiker in der Gruppe, auf uns aufmerksam wurde.
Ein kurzer Blickkontakt, ein Augenaufschlag und schon kam er auf uns zu.
Er ließ seine Gruppe stehen, fixierte uns und dann kam sein Spruch:
„Brauchst du was?
„Ja klar! Haschisch, noch besser wäre Gras.
„Das gibt’s hier nicht!
„Wieso das denn? Hast du was zu verkaufen oder nicht?
„Ja, klar! Alles was du willst. Pepp, Koks, Pillen, Heroin (Schore)
„Nee, dat wollen wir net! Wir wollen nur Haschisch, am liebsten Gras.
„Ja das gibt’s hier aber nicht. Da seid ihr hier verkehrt. Da müsst ihr zu der U- Bahnstation Konstabler Wache. Da kannst du an Haschisch und Gras kriegen was du haben willst. Willst du vielleicht irgendwas anderes haben? fragte der Typ und schniefte dauernd mit der Nase.
„Hast wohl nen Schnupfen,  fragte Hank „dass du dauernd die Nase hochziehst? „Ja, ja! Nee, nee! Klar!
Darauf fragte ich nach den Preisen
Nach Pillen, Pep und Koks.
Man war damals noch so dumm und jung und hatte die Meinung:
Eine kleine Schweinerei kann ja nicht schaden.
Also fragte man mal was es denn so gibt und was es so kostet.
In meiner Unbedachtheit fragte ich nach Grammpreisen – wobei das ja schon sehr viel Geld sein kann.
Heroin war für uns eh von vornherein tabu.
Wir wollten nicht mal den Preis wissen, obwohl es fast noch das Billigste war.
Kokain war mit Abstand am Teuersten.
Um eine genauere Wegbeschreibung zu bekommen haben wir dann ein Gramm Kokain gekauft.
Nach ein wenig hin und her wussten wir in etwa wo wir hin mussten um Haschisch zu kaufen.
Wir sind dann zur U-Bahnstation Konstabler Wache gefahren und haben da vor McDonalds die erste Kontaktperson ausfindig gemacht.
Wir beobachteten die Location und es wurde schnell klar, dass hier in einer Gruppe von 3-4 Personen gedealt wurde.
Zwei Wächter, ein Dealer und ein Bunkerläufer arbeiteten eigentlich unauffällig zusammen.
Die Wächter sicherten die Straße ab um frühzeitig vor Polizeikontrollen gewappnet zu sein.
Wir fuhren die komplette Einkaufspassage bis um die U-Bahnstation ab und fanden mehrere solcher Grüppchen.
Dann fuhren wir wieder auf Mc Donalds zu, denn wir wollten und suchten Kontakt.
Mit den Augen rausgeguckt, ein Kopfnicken zur richtigen Zeit und er kam auf uns zu.
Ein südländisch wirkender Typ bot Haschisch verschiedener Qualitäts – und Preisklassen an.
16 DM pro Gramm fürs Spitzenprodukt.
Hier war man gewöhnt, kleine Mengen zu verkaufen, im ein bis fünf Gramm Bereich.
Doch es war ein weiter Weg nach Frankfurt und wir wollten nicht für ein bis zwei Gramm gefahren sein.
Da wir Haschisch kannten, wäre eigentlich ein Testrauchen angesagt gewesen.
Weil es da schreckliche Qualitätsunterschiede gibt.
Wir ließen uns eine Probe zeigen, konnten ihn riechen und fühlen.
Geschmeidiger, öliger Dope in Stängelchenform und harter Konsistenz.
Beim warm machen direkt Butterweich und man vermutete Qualität riechen zu können.
„Wieviel willst du haben?, fragte der Pusher.
„Was kriegen wir denn für einen Preis, wenn wir mehr holen als ein oder zwei Gramm?
„Das kommt ganz auf die Menge an. Je mehr, desto billiger.
Wir haben so um die 370 DM ausgegeben und 37 Gramm Haschisch gekauft.
Es war ein Risiko, da Proberauchen ausgefallen ist.
Der Deal konnte auch nicht direkt stattfinden, da sie nicht soviel im Bunker liegen hatten.
Wir haben abgemacht, dass wir bei Mc Donalds essen gehen und er uns Bescheid sagt, sobald er die Lieferung klar hat.
Wir haben unser Geld gezeigt und sind essen gegangen.
Nach einer halben Stunde kam dann der Wink.
Es erfolgte eine kurze Übergabe draussen auf der Strasse und wir machten uns auf den Heimweg.
Hank war äußerst beeindruckt von der harten Drogenszene, die wir im Park gesehen hatten.
Es war das zerstörerische Endstadium – real live.
Es war dann so, dass wir uns auf dem Nachhauseweg die Karre vollgetankt haben, Getränke besorgt wurden und die ein oder andere Fressalie gekauft wurde.
Dann ging es los Richtung A 3, Richtung Koblenz, aus dem Frankfurter Stadtgewirr heraus.
Auf dem ersten Rastplatz, aus Frankfurt kommend auf der A 3, wurde dann mal angehalten.
Es wurde eine Dreiblatt – Tüte gebaut und wie ein Stapellauf zelebriert.
Alles aufgeräumt, alle Spuren beseitigt und dann konnte er starten.
Test!
Gut!
Ja, is OK!
Langsam reinkommend bitter im Geschmack und rau im Hals.
Frankfurter Dope war einfach der Hammer.
Man merkte beim Rauchen, wie er die Bronchien verklebt und die Lungen verstopft.
Gesundheitsschädlich!
Man merkte es!
Wenn man sich richtig einen reinhaute, dann lief man nicht mehr mit den Gedanken von Schritt zu Schritt, sondern man konnte mit den Gedanken fliegen.
Psychosengefahr!
Verfolgungswahn!
Angstzustände!
Atemwegsprobleme!
Aber das kannten wir auch schon alles.
Es war der Flash.
Der Lachflash, der Fressflash, der Spaßflash, der Tabakflash.
Wenn du nach der Tüte eine Zigarette rauchst, dann klopft die auch nochmal mit an.
Wie herrlich!
Es war wieder wie neu, wie ganz am Anfang.
Man hatte weniger psychischen Druck durch den ganzen Grenzscheiß und wusste, es gibt gute Qualität zu kaufen.
Ich weiß nicht, wie oft die Jungs in den Folgejahren nach Frankfurt waren.
Von Frankfurtkäufen hat man nie etwas gehört, es waren immer nur die Grenzüberschreitungsdelikte von denen man hörte.
Ich habe mich immer am meisten über die Scheiße geärgert, die jedesmal, aber auch jedesmal, wenn wir nach Frankfurt kamen, passiert ist.
Es wurde auf die Autobahn aufgefahren, beschleunigt auf 120, um dann in ein krusen überzugehen.
Es dauerte jedoch keine zwei oder drei Kilometer und der Fahrer befand sich schleichend hinter irgendeinem Fahrzeug, auf der Kriechspur.
Man musste alle immer wieder ermuntern, doch zügiger zu fahren und konzentrierter zu sein.
Doch die Konzentration war wohl weg.
Denn jedesmal, wenn wir an dem ersten Schild Koblenz vorbeikamen, wurde sofort versucht, auf die Bundesstrasse abzufahren.
Jedesmal der selbe Scheiß.
Man musste ständig darauf aufpassen, dass in die richtige Richtung gefahren wurde, und wehe, man hat ihnen mal nachgegeben und sich auf die Bundesstrasse eingelassen, dann konnte der Heimweg 3 bis 4 Stunden dauern.
Stop to drive!!! Then give me Gras!!!
 
Mach doch mal die Musik leiser
 
In den ersten Jahren war es noch lustig und äußerst amüsant, wenn man mit den Jungs auf Tour fuhr.
Mein Onkel Leo, gab mir jederzeit, wenn ich wollte, seinen Mercedes 280 SE Automatik.
In dem kam ich dann angefahren. Ein paar Leute in die Karre eingeladen und ab ging’s durch die Nacht.
Es waren Touren ohne festes Ziel.
Ich brauchte eigentlich fast nie auszusteigen und wenn doch, dann war das auch keine große Sache.
Ruck Zuck den Kerl auf den Arm genommen und schon saß ich im Rollstuhl oder in andere Leute Autos.
Ich bin mit ihnen das 1. Mal in meinem Leben über den Nürburgring gebrettert und wir hatten sehr viel Spaß zusammen.
Man hörte auch von Touren, die allein gedreht worden waren.
Wo sie dann mitten im Wald geparkt hatten, sich sicher fühlten, unbeobachtet und weit weg von der Zivilisation.
Sie standen mitten im Wald und waren sich sicher, von niemanden gesehen zu werden.
Im Auto wurden Tüten geraucht und der neueste Techno – Beat gehämmert.
Zwischendurch einmal aufgehorcht.
War da was?
Hast du das auch gehört?
Ne, du da ist niemand.
Du hast mal wieder Paranoia.
Und weiter ging’s mit lautem Getöse.
Du, da war doch was! Hör doch mal.
„Mach doch mal die Musik leise.
Was war das? Wo kam das her?
Keine Ahnung.
Man sieht weit und breit niemanden.
Lass doch.
Weiter hier.
Zieh.
Da schon wieder.
„Mach doch mal die Musik leiser.
Verdammt nochmal, da ist doch jemand.
Schau doch mal richtig nach.
Da sitzt einer auf dem Hochsitz. Direkt neben unserer Karre.
WAS??
Das gibt’s doch gar nicht.
Schnell eingepackt und abgezischt.
So waren sie, die Jungs.
 
 
Oder ich erinnere mich an unsere Fahrt nach Trier zum Mc Donalds.
Ganz Trier war mittlerweile umgebaut. Ich kannte mich schon nicht mehr richtig aus.
Wo geht’s denn zum Mc Donalds hier?
Na da zwischen dem Kaufhof und dem Karstadt hoch.
Ne, Michel, da ist Fußgängerzone, da können wir nicht hochfahren.
Doch, doch, ich hab da nämlich einen Parkschein für Behinderte halt eben.
Da ist aber auch noch ne Treppe mit ganz langgezogenen Stufen.
Na, dann fährst du halt ganz langsam.
Dann ist das bestimmt auch kein Problem und so tauchte mitten in der Nacht unser Mercedes 280 SE in die Fußgängerzone ein.
Es war ein Bild für die Götter.
Ganz langsam im Standgas durch die Fußgängerzone bis genau vor Mc Donalds.
Dann sprang einer der 5 raus und ging die Großbestellung kaufen. Er kam mit einem Tablett voller Fressalien rein in die Karre und weg waren wir wieder.
 
Wir trafen uns immer auf dem Minigolfparkplatz.
Dort bin ich dann auch zum Diether in seinen roten Opel Manta gesetzt worden.
Er hatte ca. 150 – 160 PS, 5 Gang Getriebe und Überrollbügel.
Ich konnte mich hinter dem Überrollbügel wunderbar mit meinem Arm einklemmen, weil hier noch ein Loch von einem fehlenden Lautsprecher in der Tür war.
Meine Eltern hätten einen Schlag bekommen, wenn sie davon gewusst hätten.
Diether raste mit mir volle Kanne über den Nürburgring. Jedesmal wenn wir auf eine Kurve zufuhren und etwas abgebremst werden musste, kippte ich mit meinem Oberkörper leicht nach vorne.
„Klappt das so oder was?
„Ja, ja, muss nur kräftig Gas geben, dann fall ich auch wieder nach hinten.
Wir waren als letztes hinter der Meute losgefahren und hatten sie doch alle abgehängt.
Volle Kanne, Diether.
Gib Gas.
 
Wer hat das große Holzkreuz gefällt?
 
Hast du schon gehört? Das große Holzkreuz vom Flugplatz Senheld ist zu Fall gebracht worden. Irgendjemand hat es mit der Axt umgehauen.
Es war wie ein kleines Erdbeben als diese Nachricht über die Dörfer zog.
Irgendjemand hatte das große Wahrzeichen abgehackt.
Warum hackt einer das Holzkreuz ab?
Totale Unverständlichkeit und Unmut überall.
Hatte es religiöse Gründe oder war es nur eine Schändung von irgendeinem Spinner? Es war ein neues großes Gesprächsthema für mehrere Wochen und Monate gefunden. In diversen Mitteilungsblättchen wurde über den Kreuzfall und den Täter später berichtet.
Ich kannte den Täter. Es war der Bruder von Max.
Marlo hatte ich kennengelernt durch einen Besuch bei mir. Er war mit seinem Bruder einfach mitgekommen. Das war irgendwann im Winter gewesen. Sie kamen beide vorbei und ich lernte Marlo kennen.
Marlo, ein Typ, der noch nie wirklich in einem Buch gelesen hatte. Beim ersten Kennenlernen hatten wir auch gleich einen großen Diskussionspunkt gefunden: Religion.
„Ach geh mir doch weg damit, hatte er gesagt. „Und die Bibel, das ist doch eh nur ein Lügengebäude oder eine bisschen bessere Märchengeschichte. Er hatte irgendeinen verdrehten Müll im Kopf und wollte mit mir über Religion diskutieren.
„Ach Marlo, sei doch ruhig oder wann hast du das letzte Mal in der Bibel gelesen?
„Ja, eigentlich noch nie.
„Ja siehste und dann willst du mir was von Religion erzählen. Dann solltest du mal lieber zuerst ein Buch anfangen zu lesen. Wenn es nicht anders ist, dann fang mit der Bibel an, hatte ich noch damals zu ihm gesagt.
Das wollte sich Marlo nicht von mir sagen lassen. Er wollte immer anders sein als die Anderen und so machte er das, was ich im gesagt hatte und las in der Bibel. Er studierte die Bibel.
Ich hatte ihn schon über 2 Jahre nicht mehr gesehen. Er war mir aus den Füssen gegangen.
Wie ich herausfand, hatte Marlo´s Leben einen Knacks bekommen, weil seine geliebte Freundin gestorben war. Das hatte ihm den Rest gegeben.
Das Holzkreuz war gefällt.
Musste ich mir etwas vorwerfen? Hatte ich ihn doch zur Bibel gebracht. Musste ich mir jetzt nachsagen lassen, dass ich es Schuld gewesen wäre.
Warum hast du das gemacht?
Es war ein Akt der Befreiung.
„Ich habe das Kreuz abgehackt und bin dann runter zur Maar gelaufen. Dort bin ich dann erst reingesprungen und habe mich dann nach dem Auftauchen wie ein neuer Mensch gefühlt.
„War das nicht ein hartes Stück Arbeit dieses große, dicke, schwere Holzkreuz umzuhauen, mit der Axt?
„Ja und was für eine und ich hatte in meiner Hast und in meiner ersten Wut viel zu hoch angefangen. Viel zu hoch. Ach her je.
Da hatte ich schon fast das halbe Kreuz abgehauen und merkte, das es viel zu hoch war. Aber da wollte ich auch nicht mehr neu anfangen und so hab ich das dann durchgezogen.
Ich hab es umgelegt.
Ich war der Meinung, dass die Leute hierum mal wachgerüttelt gehören. Brauchen einem nichts zu erzählen von Gott und dem Scheiß und sind alle selber die letzten Arschlöcher und Heuchler. Diese Kotzgesellschaft hier um einen rum.
Zum Kotzen.
Allesamt find ich die hier zum Kotzen.
So wie Marlo ist es vielen Leuten gegangen.
Von den Drogen in die Psychiatrie.
Sie glaubten nur noch, das der Satan hinter ihnen her ist. Viele schienen gar nicht zu wissen, dass Drogen auch Psycho bedeutet. Sie nahmen die Drogen und drehten durch.
Viele Jugendliche in der Vulkaneifel kiffen und nehmen Drogen. Nur die Wenigsten ahnen, was dabei passieren kann. Der 17-jährige Peter erlitt eine Psychose. Neun Monate verbrachte er in der Psychiatrie. Nun hat er von Rauschgift genug und sehnt sich nach einem normalen Leben.
„Ich glaubte nur noch, dass der Satan hinter mir her ist!
Seine Stimme ist noch etwas brüchig. Leise erzählt er von seinem Horror – Trip vor gut neun Monaten. „Ich bildete mir nur noch ein, vom Satan verfolgt zu werden, berichtet der 17-jährige.
Drei Jahre lang hatte Peter täglich Cannabis gekifft. Ecstasy, Speed und Kokain hat er auch hin und wieder genommen. Als der sanftmütige Mann dann eines Tages auf einem LSD – Trip war, bahnte sich die Katastrophe an.
„Ich hatte drei Tage lang nur Hallus (Halluzinationen), sah ständig wechselnde Farben und meinte, dass mich etwas durchlöchert, beschreibt Peter seinen Drogen– GAU. „Ich habe mich voll komisch gefühlt und glaubte ein Mutant zu sein, der nicht mehr in die reale Welt zurückkehren kann.
Wie ein Engel sei er sich vorgekommen, hinter dem der Teufel her sei und der alle Menschen gegen ihn aufhetze.
„Ich hatte Angst, dass man meine Gedanken hören kann und meine Seele geraubt wird.
Peters Welt brach völlig auseinander. Er floh von seinem Arbeitsplatz. Er türmte von zu Hause.
Bis ihn sein Vater orientierungslos an einer Bushaltestelle aufgabelte.
Der sympathische junge Mann landete schließlich in der Psychiatrie.
Nach neun Monate Therapie – „Sport, Gespräche, Musik, Ergotherapie –  ist er endgültig wieder zurück in der realen Welt. Zwar muss er noch Medikamente schlucken, doch von Drogen scheint er geheilt.
„Früher war es mir und meinen Kumpels wichtig, einfach dicht zu sein durch Drogen – mein Vater versprach mir sogar ein Moped, wenn ich aufhören würde. Doch kiffen war mir immer wichtiger, blickte Peter voll Schrecken zurück. „Man merkt gar nicht, dass man sich dabei kaputt macht!
Nun spürt er plötzlich eine neue Geborgenheit in seiner Familie. „Weil ich gemerkt habe, dass meine Eltern mir wirklich geholfen haben. Das ist schön. Früher habe er immer nur gegen seinen Vater gekämpft, Geld gestohlen und Schulden vorgegaukelt, um seine Drogenzechen zu bezahlen. Auch sein jüngerer Bruder ist jetzt ein wichtiger Halt für ihn.
Statt Drogen zu nehmen versucht er, Hobbies zu frönen: Musik zu hören, zu zeichnen und wieder viel Sport zu treiben. Peter lächelt. Ein neues Leben hat für ihn begonnen. Noch fühlt er sich etwas unsicher. Doch er ist entschlossen ,seinen Drogenhorror endgültig hinter sich zu lassen. „Jetzt wünsche ich mir nur noch eine Lehrstelle, sagt Peter.
Hoffen wir das er durchhält.
Die Geschichten, die sie hier lesen, haben sich alle in einem Zeitraum von 1986 bis 1998 abgespielt.
In dieser Zeit, war aus ein paar Freunden, die ab und zu etwas Haschisch rauchten, ein wüster Haufen geworden.
Ich habe mich in dieser Zeit oft als Streetworker gefühlt, habe hinter den Kulissen dagegen gehalten was ich konnte, versucht mein Möglichstes zu tun, damit sie möglichst nicht die Drogenleiter hochstiegen.
„Lass uns zusammen eine Tüte rauchen und dann wird das schon gut sein, war jahrelang mein Standartsatz, denn alle zu hören bekamen.
Auf Tüte fuhren sie immer ab.
Ein schönes Gras war immer drin und dann war das schon toll. Tüte war immer gut. Sie wurde noch geraucht, als man schon die härtesten Drogen nahm.
So kam es auch zu Momenten, in denen auch ich mit bekam, wie schlimm es mit der Sucht bei den Einzelnen schon stand.
Man verabredete sich mit den Einzelnen irgendwo im Wald in der Nähe des Dorfes oder an der Grillhütte und wollte einen Joint rauchen.
Ich kann mich dran erinnern an das letzte Mal, wie ich mit dem Hainer einen Joint geraucht habe. Das war zu der Zeit, als er noch einen Opel Monza fuhr.
Mittlerweile hatte er wunderbar Tüten drehen gelernt und baute für uns eine.
Doch bevor er anfangen wollte, müsse er zuerst noch eine kleine Schweinerei machen.
Er nahm sich ein Stück Blech, streute ein kleines Häufchen Heroin darauf und sog es mit einem eingerollten Papierschein ein.
„Muss das jetzt sein? Ich dachte, wir wollten Tüte rauchen, fragte ich ihn und wollte das Ganze schon wieder abbrechen. Ich hatte keine Lust, dabei zu zuschauen, wie sie sich damit fertig machten.
„Nur das Eine hier, dann rauchen wir die Tüte.
Ich fragte noch nach seinem Konsum und wieviel er wohl am Tag davon wegziehen würde. Er wollte noch herumdrucksen und irgendwie kam er auch nicht ganz mit der Wahrheit heraus, doch ich sah ja sein Alublech, was schon voller schwarzer Punkte war.
Immer kleine, runde schwarze Punkte.
Das ganze Staniol war voll.
Jedesmal ein Blöchen.
Blöchenrauchen nannten sie das. Komm wir machen noch ein Blöchen weg.
Was für eine Scheiße.
Ich ließ meinen Unmut freien Lauf. Überall und jedesmal, wenn es zu solchen Momenten kam. Deshalb wurden diese Momente dann auch immer weniger, denn man ging mir dann auch aus dem Weg.
Doch das war mir egal, denn ich wusste, komm „Tütchen rauchen, das zog immer und dann hatten wir sie wieder.
Man konnte mit ihnen reden.
Mann konnte wieder auf sie Einfluss nehmen wenn es geschickt gemacht war oder man konnte ihnen wenigstens gute Ratschläge geben, konnte warnen, konnte helfen, konnte unterstützen und ab und zu war man auch einfach nur ein Zuhörer.
Jemand, dem der ganze Frust und Ärger erzählt wurde.
Ich hatte mir ein paar Regeln aufgestellt:
Ich werde nie etwas verkaufen.
Ich werde niemals einen Deal vermitteln.
Ich werde niemanden helfen, an Drogen zu kommen.
Es war eine heftige Zeit für mich.
Auf der einen Seite war ich der Streetworker, der im Geheimen arbeitete und auf der anderen Seite angefeindet von Allen und Jedem.
Ich traf mich mit den Jungs, um das Schlimmste zu verhindern und gleichzeitig wurde ich zum Kinderschreck erklärt.
Ich würde Drogen verkaufen an Kinder.
Ich würde Kinder mit Pillen und Pepp und was weiß ich nicht alles versorgen.
Welch ein Lügenmärchen.
Auf der einen Seite die Gesellschaft und auf der anderen Seite ich, der Einzige, der Bescheid wusste.
Ich hab mich um Kontakt bemüht mit dieser sogenannten normalen Gesellschaft. Hab sie in der Kneipe getroffen oder beim Gassi gehen mit ihrem Hund. Doch Niemand von ihnen hatte ein offenes Ohr. Niemand wollte es wissen.
Damit ihr die Zeit nicht vergesst, es war die Zeit, als ich euch erzählt habe, wer der eigentliche Verursacher des Mehrener Narrensprungs war.
Sinnlos, zwecklos.
Es wird so um 1998 rum gewesen sein. Ich glaube es war am ersten Mai.
Ich war eingeladen wie viele anderen von den Erwachsenen. Es trafen sich alle zu einer riesengroßen Maifete auf der Haard.
Alles zwischen 20 und 40 war da. Die Verheirateten, die Junggesellen, die Kiffer, Jeder.
Sie alle trafen sich. Man hatte sich extra dafür viel Arbeit gemacht und alle zusammen hatten Holz besorgt, einen riesigen Pavillon auf den Berg geschleppt, sowie Getränke, Würstchen, Bänke, Tische, alles war da.
Doch niemand von den Kiffern hatte sich getraut eine Tüte zu rauchen. Niemand stand dazu.
Es war die Alkoholclique, die hier am wirken war. Der eine trank seinen Pernod, den er schon jahrelang bevorzugte, ein anderer seinen Asbach und wieder andere waren auf Bier, soffen Bier bis zu umfallen.
Ich merkte, wie ich von den Leuten aus der Clique um mich herum gemieden wurde, doch dachte ich mir nichts weiter dabei im ersten Moment.
Ich war wie ich bin, dachte ich und hab dann als die Dämmerung hereinbrach mit meinem Begleiter eine Tüte rauchen wollen. Deshalb fuhr ich extra rüber zum Lagerfeuer
Hier war es etwas wärmer. Ich stand neben dem Lagerfeuer, auf der einen Seite und auf der anderen Seite waren alle anderen.
Ich rauchte meine Tüte und dachte mir: „Mann, über die Hälfte aller Leute, die da hinten stehen, haben schon einmal geraucht.
Ich wusste das.
Ich wusste es von Allen und Jedem, der schon mal geraucht hatte, ob mit dem oder dem oder wann oder wo.
Ich wusste es.
Ich dachte noch für mich, was für eine scheinheilige Gesellschaft. Da stehen sie mir gegenüber, alle zusammen und keiner hat den Mumm auch nur mal ein Gespräch mit mir anzufangen.
Irgendwie fühlte ich mich als Versager.
Es wurde gemurmelt und geflüstert und hinter vorgehaltner Hand gesprochen und es war mir klar, über wen.
„Da hinten sitzt er doch. Da sitzt er und raucht eine, hörte ich Hotti sagen.
„Moment, ich leg noch ein Stück Holz auf, dann kannst du es gleich besser sehen, sagte er.
Er kam rüber zum Feuer, legte drei Scheite Holz auf, worauf diese dann wiederum hell erglimmten und ich wurde sichtbar, voll erleuchtet stand ich im Schein des Lagerfeuers.
Scheißegal, weiterrauchen. Mich interessiert das doch eh nicht, hat mich eh die ganzen Jahre nicht interessiert, was ihr da drüben denkt, sonst hätte ich nicht so ne gute Arbeit machen können und versuchen, was keiner von euch versucht hat.
 
Das war das letzte Mal, dass ich den Hainer lebend gesehen habe auf dieser Party. Ohne mit ihm zu reden hatte ich ihn nur gesehen.
„It is a very beautyfull area who you life, hatte mal ein guter Freund zu mir gesagt, aber ich glaube, es war genau das Gegenteil in diesem Moment.
Diese Fete und it is a very beautyfull area who you lifes waren genau das Gegenteil voneinander.
Ein Gefühl von verbrannter Erde stieg in mir hoch und ich wünschte mir nichts mehr wie hier wegzuziehen, einen Neuanfang zu machen.
Das hier war doch alles Murks und Mist geworden. Die Einen wollte man abhalten und konnte nicht und die Anderen wollten nicht wissen was los war.
Eine Mistsituation.
Ich zog mich völlig zurück aus der Drogenszene. Ich wollte nichts mehr mit dem Scheiß zutun haben. Man ging ja kaputt. Nur beim Dabei sein und Zuschauen wurde man verrückt. Weg , nichts wie weg. Weg von der Party, weg aus dem Dorf, weg from this area.
Ich machte mir meine Gedanken zu Hause und wollte eigentlich ein neues Rundschreiben in Umlauf bringen.
Ich wollte auf die Situation aufmerksam machen, wollte sagen, dass sie sich einen neuen schwarzen Mann suchen sollten, um ihre Kinder zu erziehen.
Ich habe diesen Gedanken dann Gott sei Dank verworfen, denn wenige Monate später war die Katastrophe passiert.
Das Schlimmste was passieren konnte war eingetreten.
Es gab den ersten Drogentoten.
Alles wofür ich gearbeitet hatte, schien falsch gewesen zu sein.
Ich machte mir Vorwürfe, wollte nicht mehr weitermachen.
Raus, nur raus hier.
Es waren alle tot.
 
Heute, viele Jahre später, schreibe ich an diesem Buch.
Ich hasse dieses Buch. Ich müsste es nicht schreiben. Ich habe mich die ganzen Jahre davor gedrückt. Es ist ein Buch voller negativer Seiten und ich schreibe es trotzdem.
Während ich es schreibe steigt in mir der Gedanke hoch, dass ich es Ihnen geben werde.
Ich habe vor, das Buch den verschiedensten Leuten zu geben, damit sie es lesen können.
Vielleicht gebe ich es auch dem Hainer seiner Mutter, damit sie vielleicht auch zwei, drei Seiten dazu schreiben kann. Aus der Sicht einer Mutter, die ihren Sohn an die Drogen verlor.
Ich werde Kritik ernten, es wird mir Prügel angedroht und nach dem Leben getrachtet, aber das alles ist mir bekannt.
Vor so etwas habe ich noch nie Angst gehabt, denn das war schon immer ein Gefahrenbereich, der mir jederzeit hätte wiederfahren können.
Bis heute hat noch niemand etwas an unser Haus geschmiert oder sonst irgendwelche Rachefeldzüge gegen mich persönlich gestartet.
Ich bin froh darum.
Es ist vielleicht die einzige Möglichkeit, irgendwann einmal etwas zu ändern.
Dann muss ich eben dieses Scheiß Buch schreiben obwohl ich es hasse.
 
„Komm wir tuckern einen.
„Au ja, ich tucker dir einen und du tuckerst mir einen.
Das waren die Anfänge gewesen. Ich habe diesen Satz schon ewig nicht mehr gehört.
Tuckern, dass war ein Blödsinn.
Man holte einen frisch angezündeten Joint mit der Glut voran in den Mund umschloss ihn mit den Lippen und blies dem anderen den Rauch entgegen und dieser versuchte dann, ohne den Joint zu berühren, den Rauch wieder einzusaugen.
Tuckern halt.
Tucker hin und Tucker her.
HA HA HA.
Wenn ich heute darüber nachdenke, wie man eine riesengroße Drogenparty mit über 1,5 Millionen Menschen inmitten unserer Hauptstadt zulassen konnte. Das ist doch ein Unding.
Auf der einen Seite schicken wir Soldaten nach Afghanistan, die für Frieden und Ruhe sorgen sollen und auf der anderen Seite unsere Freiheit verteidigen sollen und dann gibt`s hier bei uns gleichzeitig den größten Exportschlager der letzten 20 Jahre.
Die Loveparade.
Ein Treffen zum Drogenkonsumieren.
Von Allen gesehen.
Von Niemanden verhindert.
Mein Leben lang hab ich unbedeutender Wurm gegen die schweren Drogen gearbeitet, doch von offizieller Seite wird das dann nicht verboten.
Über 1,5 Millionen Leute die sich treffen und eine wilde Sause machen.
Das kann doch nicht wirklich deren Ernst sein.
Das kann doch nicht die Wahrheit sein.
Ich frag mich wo all diese Politiker sind, wo all diese Blödschwätzer sind.
Keine Macht den Drogen und dann ne Loveparade zulassen.
Mit der Technowelle kam die Drogenwelle.
Die Technos haben die Ecstasys mitgebracht und die wiederum den ganzen anderen Scheiß.
Mode.
Es ist zur Mode geworden, Ecstasy zu nehmen.
Was ist das für eine komische Welt in der etwas zur Mode wird, wo doch alle sagen keine Macht den Drogen.
Man bekommt doch ein Glaubwürdigkeitsproblem, wenn man sich diesen schizophrenen Mist einmal genauer vorstellt.
 
Kokainum ganz langsam und tief gesprochen: Kokainum
 
Kokainum ist und war mein einziger Ausrutscher.
Es war irgendwann um 1994 – 1995 als ich an mein Kokain dachte.
Jenes Gramm Kokain, dass wir für 170 DM damals in Frankfurt gekauft hatten.
Es lag seit jener Zeit, doppelt und dreifach in Staniol verpackt, trocken und dunkel hinter der Dämmung vom Speicher.
Nicht, dass ich es vergessen hätte über all die Jahre, aber es lag ja gut da.
Ein kleines Geheimnis macht ja niemanden an.
Dies ist ein Buch über die Wahrheit.
Deshalb muss die Geschichte vom Kokainum auch hier stehen.
Wie schon einmal erwähnt, haben wir das Kokain in Frankfurt gekauft.
Null Plan in der Tasche und dann Kokain kaufen.
Mit dem ersten Gramm, das wir da kaufen wollten, war der Dealer im Frankfurter Park glatt überfordert.
Für ein Gramm musste er glatt noch einmal verschwinden, schnell zum Bunker.
Die Eindrücke von der Drogenszene im Frankfurter Stadtpark wirken noch heute auf mich, als wenn es gestern gewesen wäre.
Wir haben damals Koks gekauft, weil uns das am Sichersten erschien.
Die Nobeldroge, mit dem wenigsten Suchtpotential, haben wir gedacht könnten wir kaufen.
Als der Typ zurückkam und uns das Ein – Gramm – Briefchen zeigte, wurde uns erst klar, wieviel ein Gramm sein kann.
Keiner von uns wusste etwas von Dosierung oder sonst etwas in dieser Richtung.
Auf die Frage, wieviel man davon holen würde, was ist zu viel oder die richtige Menge, sagte uns der Dealer:
„Da muss du ein kleines Mc Donalds Kaffeelöffelchen holen. Die kleinen, weißen Plastiklöffelchen sind so in etwa ein guter Maßstab für ne Dosis. Nicht glatt streichen, sondern leicht angehäuft müsste das schon so hinkommen.
Wir habe dann damals das Kokain mitsamt dem Löffelchen schön eingepackt und in meiner Brusttasche verschwinden lassen.
Dann haben wir uns mit dem vollbärtigen Mützenträger, mitsamt Plastiktüten, auf den Weg zur Konstabler Wache gemacht.
Unser Begleiter war orientierungslos sobald er im PKW saß.
Er war Fußgänger.
Wir fanden die Konstabler Wache dennoch, tätigten unser langersehntes Haschischgeschäft und fuhren mit unserem Fußgänger zu einem, ihm gut bekannten, Lokal.
Hier in der Seitenstrasse, zur Fußgängerzone hin, sollte sein Stammlokal sein.
Hank wendete das Auto, wegen der Fußgängerzone und wir wollten einen Parkplatz suchen.
Wir fuhren langsam zwischen geparkten Autos auf eine riesige Kreuzung zu.
Urplötzlich und mit einer erheblich erschreckenden Tendenz schoss plötzlich ein Polizeiauto mit Blaulicht und Sirene auf uns zu.
Es war der Knaller!
Die Taschen voller Dope und die Bullen voll im Einsatz.
Hank dachte, der Teufel würde ihn holen und unser Mitfahre erschien das erste Mal richtig nüchtern.
Hank bremste das Auto ab und im nächsten Moment schüttelte es  unser Auto kräftig durch.
Der Polizeiwagen hatte uns hinten links gerammt!
„Was jetzt?, sagte Hank, „Ich glaube, die Bullen haben uns gerammt.
„Stehen bleiben! Ruhe bewahren! Nur keine Panik!
Hank öffnete die Tür und es wurde ihm entgegen gebrüllt:
„Wie sind im Großalarm, wir sind im Einsatz! Bleiben sie hier stehen, wir kommen gleich wieder Drogenrazzia! Die Kollegen kommen gleich!
Und weg waren sie.
Unser Mitfahrer war für keine Belohnung mehr zu begeistern.
Er wollte aussteigen und mit der Sache nichts mehr zutun haben.
Er packte seine Plastiktüten, riss die hintere Tür auf, ohne auf den Verkehr zu achten und weg war er.
Hank drängte darauf, zu fahren.
„Los, komm. Lass uns abhauen. Es ist nur eine Kleinigkeit hinten links an den Stoßstangengummis.
Im nächsten Moment kam schon ein zweites Polizeieinsatzfahrzeug mit Blaulicht und Sirene, um die Ecke geschossen.
Da wir noch immer an der selben Stelle standen, wo uns auch das andere Polizeiauto erwischt hatte, zogen wir beide schonmal den Kopf ein, weil wir mit dem nächsten Bumms rechneten.
Tatü, Tata! Einsatz in Manhattan! Alles aus den Betten!