saturn
Home
Ich
Download
Gästebuch
Inforum
Bücher
Zukunft
Bilder
@webmaster
Freiheit 1989
Einheit 1992
Reiß aus 2004
Liebe 1996
Kaiserstein 2003
Narrensprung
Dealer ? 2005
Hanfmedizin 2015
Menschenrechte  1948

Liebe 1996

weiter

DIE TRIOLOGIE DES
SEINS

IN DEN BÜCHERN ÜBER DIE
 
EINHEIT in
FREIHEIT und LIEBE
 
UND DEM KAMPF
MIT DEM TEUFEL
 

Liebe
 
Was ist das?
 
Eine Illusion ohne Realität
 
oder
 
eine Realität ohne Illusion
 

Gestern war der Tag X.
Sie hat gekündigt.
Über ein halbes Jahr hatte ich jeden Tag damit gerechnet, und dann, als es passiert ist, war ich
einen ganzen Tag nur irritiert.
Ich habe mich oft in meinem Leben gefragt, was ein Rausch ist.
Der Tag gestern kommt mir wie eine Wachnarkose vor.
Ich habe sie gesucht. Aber wohl immer nur unterbewusst.
Und ich habe sie gefunden.
Wie es dazu gekommen ist, werde ich vielleicht später noch erzählen.
 
Heute ist der 2. Tag.
Und ich versuche meine Gedanken irgendwie festzuhalten.
Und ich hoffe, dass meine Schreiberin keinen gesundheitlichen Schaden davontragen wird.
Weil in meinem Kopf ein katastrophaler Krieg tobt.
 
Bis jetzt ist nichts passiert und doch sind Welten zusammen gebrochen.
Entweder wir begegneten uns als Arbeitgeber und Arbeitnehmer, oder als Krankenschwester und
Patient.
Ich weiß nicht, was passiert ist.
Aber irgendwie erinnert mich das Ganze an einen Autounfall mit 260 Sachen.
Sie wird gehen und es verbleiben mir noch knappe 25 Tage, dann wird sie weg sein.
Ich habe dieses Tagebuch jetzt angefangen, weil diese Zeit so intensiv ist und voller Inspiration.
Und ich frage mich im Moment, was es eigentlich ist.
Dabei sehe ich ein Bild vor mir, wie ihr nackter Frauenfuß in goldgelben Wüstensand versinkt.
Ich weiß nicht wieso. Es ist nicht das Aussehen...
Und eigentlich finde ich auch keine Worte. Ich glaube es hat sehr viel von Magie.
Ein bisschen vom „Magischen Kubus“, oder so. Es ist schon seltsam, als ich den „Magischen Kubus“
spielte, lag meine Wüste in finsterer Nacht. Und einen Sturm hat es nie gegeben.
Genauso, wie meine Leiter total fehlte.
Ich kann mich erinnern, dass ich einfach keine Leiter in meiner Wüste haben wollte.
Ich habe lange nachgeschaut und versucht, Licht in meine Wüste zu bringen.
Ich habe viele Steine umgedreht, und jeden Dreckhaufen durchwühlt, und dann passieren einem mit
fast 37 die seltsamsten Dinge.
Ich zähle mich eigentlich zu den absoluten Realisten.
Und wehre mich eigentlich schon seit Jahren gegen die verschiedensten Visionen in meinem Kopf. Im
Moment drückt wieder einmal die Zeit. Sie ist zu meinem größten Feind geworden.
Obwohl ich gleichzeitig weiß, dass ich nichts verpassen werde im Leben.
Ich nehme an, dass man einen Feind braucht, schon alleine um den gewaltigen Druck im Bauch zu
erklären.
Ich hoffe, den heutigen Tag einigermaßen gut zu überstehen.
Denn unsere heutige Begegnung haben wir noch vor uns.
Ich wünschte mir, wir könnten die uns noch verbleibende Zeit relaxter erleben.
Da die Atmosphäre jedoch unter Hochspannung steht und jeder nur nach dem Alltäglichen zu greifen
sucht, um sich nicht zu verlieren, schätze ich, es wird eine harte Zeit.
So, liebes Tagebuch, für heute ist jetzt Schluss und hoffentlich bin ich morgen früh einigermaßen
gut drauf. Danke
 

Zeitlosigkeit macht sich breit.
Ich fühle mich wie ein Krieger auf dem Schlachtfeld.
Der einzige Überlebende einer barbarischen Schlacht.
So bin ich jetzt existent.
Ich lebe noch.
Und Einsamkeit macht sich breit.
Und wie, als wenn man seine Wunden spürt, tut es irgendwie weh.
Sie ist einfach da.
Mein Zeitplan ist total durcheinander.
Sie war gestern da.
Und irgendwie habe ich ihren Schmerz auch gesehen.
Jetzt ist sie krank geschrieben.
Meine Befürchtungen sind wahr geworden.
Nun fürchte ich schon um ein Wiedersehen.
Wird sie überhaupt noch einmal vorbeikommen?
Oder war es das?
Innerhalb von 48 Stunden habe ich so intensiv gelebt wie selten. Irgendwie kann ich jetzt
nachfühlen, wie es ist, wenn man mit einem Düsenjäger, bei eingeschaltetem Autopilot,
Tiefflugübungen erlebt.
Bis jetzt habe ich eigentlich immer nur versucht, meinen Schmerz nicht zu zulassen.
Eisenhart und doch aus einem Material, das ganz weich sein kann.
Noch vor ein paar Stunden war sie zum letzten Mal da. Sie ist gegangen, als ich schlief, und hat
meine Träume mitgenommen.
Irgendwie erinnert mich alles an die großen Dichter und Denker, die auch Briefe schrieben, um
irgendwie etwas zu verarbeiten. Es ist gut, dass es schon andere Menschen gab vor mir, die Worte
gefunden haben und mir so sagen konnten: Das ist Leben!
Ich kann so nicht mehr liegen, mein Keilkissen drückt mich wie ein Joch.
Ich brauche Erleichterung.
Das Atmen fällt schwer.
Und doch muss man ihn reinziehen, ganz tief.
Und dann wieder loslassen.
Und schon fällt der Nächste wieder etwas leichter.
Es ist gut, dass das Herz unabhängig und frei ist. Sonst wäre es vielleicht schon stehen geblieben.
Atmen.
Luft holen.
Leben.
Und fühlen?
Was soll man fühlen?
Irgend etwas drückt auf die Atmung.
Es ist ein Druck.
Nicht von der Seite, nicht von oben, auch nicht von innen. Von irgendwoher drückt es gewaltig.
Es fühlt sich an, als wenn eine Hautschicht, von all den vielen Hautschichten, die man mit sich bringt,
unter Strom stünde.
Unter richtigem Strom, wenn Sie wissen was ich meine. Dieser schöne 220 Voltsaft.
An den man eigentlich immer nur zufällig gerät, eher unbeabsichtigt.
Und doch glaube ich, hat schon ein jeder von uns ihn schon einmal berührt.
 

Hoffentlich verdampfen mir meine anderen Häute jetzt nicht.
 
Auch auf diesem Gebiet habe ich alles verloren.
Eine topausgebildete Krankenschwester.
Und sie ist weg.
Aber es ist total OK.
Es ist gut so, wie es ist.
Trotz meiner Traurigkeit konnte ich mich schon wieder für sie freuen.
 
Sie hat einen geregelten Anschlussjob gefunden, was in unserer Zeit ja auch wichtig ist.
Und ganz aus der Welt ist sie ja nun nicht.
 
Frei sein.
Die Freiheit.
 
Sie ist eigentlich das Wichtigste.
Und so wird es wohl kommen, dass ein jeder wieder nach seiner eigenen Festigkeit suchen wird.
Und sie wohl auch wiederfinden wird. Es ist wie beim Sterben, da ist auch jeder alleine.
Beim Leben können wir uns manchmal zusammentun. Jedoch beim Sein ist das etwas anderes.
Soeben ist Tanja hier eingetroffen und so werde ich gleich etwas gegen meine
Nackenschmerzen tun.
Es ist heute der 17.06.1998.
Und ich hoffe wieder bald zu diesem Buch zu kommen.
Auf Wiedersehen Morgenröte.
 
Guten Tag Tanja --------------------------Beautiful Tanja!!!
 
Mein letzter Gedanke – Luxus pur
 
Dabei fühlt es sich an wie ein Bauchschuss, vorne ist ein Loch in der Größe eines 1 -Mark-Stückes.
Und dann muss man wissen, dass es sich wohl um ein Dumdum-Geschoss gehandelt haben muss.
Das ist diese Munition, die eingekerbt ist und es ist gut, dass es sich bis jetzt nur so anfühlt, denn
wenn ich mir vorstelle, wie dieser Treffer von hinten aussieht, wird mir ganz übel.
Einen kleinen Vorteil habe ich ja:
Es ist eine phantastische Beziehung zu meinem Mondschein.
Ihr kann ich alles erzählen und sie hilft mir, mein zerfetztes Inneres zusammenzuhalten.
Wo ist der Sitz der Liebe?
Nachdem was ich fühlen kann, muss das Sinnesorgan, dass die Liebe beinhaltet, von den Eiern bis
zum Hals gehen, denn hier krampft es – es wehrt sich – es drückt und zwickt und verlangt nach
Befreiung. Ich versuche dieser riesigen, pulsierenden, matschigen Masse, die Gott sei Dank durchs
zentrale Nervensystem gesteuert wird, und dadurch nicht direkt vom Kopf manipuliert werden kann,
einen gleichmäßigen Rhythmus zu geben.
Einatmen – ausatmen – und wieder, ganz ruhig –einatmen – und – ausatmen.
Man muss ja atmen, also versuche ich es möglichst gleichmäßig zu tun.
 

Und je gleichmäßiger der Rhythmus wird, desto mehr fühlt es sich an, als würde einem langsam, ganz
langsam ein tausend Meter langes Schwert durch die Eingeweide herausgezogen. Und sobald man
dieses Gefühl nicht mehr spürt, wird es quasi verdrängt von einem stechenden Schmerz in der Brust.
Herzschmerz – unregelmäßige Zwischenimpulse – ich glaube man nennt sie Herzsystolen.
 
Das sind diese unregelmäßigen Ausschläge an den Computermaschinen auf den Intensivstationen.
 
Diese Apparate, die in den Filmen immer piepsen.
Wenn gerade einer aufgegeben hat und gegangen ist – gegangen ist – gegangen ist – ich habe keine
Zeit –
Ich habe keine Zeit für einen schmutzigen Trick. Ich habe keine Zeit für Vergangenheit.
Ich habe keine Zeit für Religion. Und zwischendurch muss ich dran denken, zu atmen, denn ich habe
keine Zeit für einen Glauben. Jetzt, wo die Sekunden verrinnen, fängt es an zu kribbeln.
Es ist ein ähnliches Kribbeln wie, als wenn einem die Hände oder Füße einschlafen.
Nur, es ist überall gleichzeitig, in jeder verdammten Körperzelle ist Energie; und sie tauscht sich
aus, sie reagiert miteinander, und sie verlangt nach Sauerstoff zum Brennen,
und je mehr ich atme, desto mehr brennt es und je mehr es brennt, desto intensiver kribbelt es und
dann schießen sie dazwischen, der Schluckauf, die Herzsystole, der Bauchkrampf, die
Zwerchfellverspannung,
Schrei, Schrei, Schrei und noch mal, Schrei nach rhythmisch geatmetem Sauerstoff, um selbst im
Sturm eine Welle zu haben, wie der Surfer mit der Megawelle, der Tsunami.
Es wird freier, das Atmen fällt leichter.
Oder ist es nur nicht mehr so erzwungen?
Es ist sehr unregelmäßig, mit einem leichten asthmatischen Quietschgeräusch.
Diese Bronchien, diese herrlichen, kleinen, beschissenen, verschissenen Bronchien.
Sie atmen in mir und an mir wie diese Überdrucktopfventile an den Schnellkochtöpfen.
Ich habe Angst, dass mein Überdruckventil plötzlich versagen könnte, sich irgendwie verklemmen
könnte und es zu einer Explosion kommen könnte.
Es ist dieselbe Angst, die ich jetzt schon seit 13 Jahren mit mir herumschleppe. Sozusagen seit
meinem letzten Vollgasunfall.
Es gibt da irgendeinen Zusammenhang.
Irgend etwas.
Ich fühle es wie eine Brücke. Es kommt mir so vor, als wenn mir eine sehr alte, offene, schon
übelriechende Wunde zum erstenmal einen Heilungsprozess einleitet.
Auf der einen Seite der absolute Schmerz und gleichzeitig das wohltuende Gefühl eines
Besserwerdens, eines Gesundens.
Auch hierfür braucht es Luft, Sauerstoff, und die Bronchie quietscht vor sich hin.
Schon oft in meinem Leben war ich froh, eine Art kleinen Startpilot für diese arg zerstörte Psyche
gefunden zu haben. Ich muss es sagen, wie es ist:
Wenn ich nicht vor 12 Jahren die THC-haltigen Produkte kennen gelernt hätte,
wäre ich bestimmt schon lange gestorben.
Ich hätte aufgegeben.
Es ist so brutal, dass es mich getötet hätte. Und dann habe ich ihn mir wieder zugeführt, diesen
grässlichen, schmerzhaften Rauch, den ich allen Ernstes niemandem empfehlen kann, weil er in einem
arbeitet wie ein Metzger, der einfach ein Stück aus einem lebendigen lebendem Wesen
herausschneidet.
Wirklich empfehlen kann man das Marihuana nur dem, der im Krieg ist.
 

Einem Menschen, der bereit ist, eine offene blutende Wunde alleine mit einem glühenden Eisen
auszubrennen. Nur jenen Menschen kann ich es empfehlen. Und da die meisten Menschen, die ich
kenne, nicht über eine solche Schmerzunempfindlichkeit verfügen, warne ich euch alle davor.
Ich habe es in den letzten 10 Jahren benutzt wie ein Narkosemittel –
ein Narkosemittel auch gegen meinen Weltschmerz.
Ich bin süchtig geworden.
Es erscheint mir diese Sucht jedoch gar nicht als so wichtig.
Sie ist ein Teil von meinem Leben, wie das Rauchen einer Zigarette, wie das Jagen einer Fliege, wie
Essen und Trinken. Sie ist aber auch ein Ersatz. Vielleicht ist sie ja auch ein Ersatz für einen Krieg.
Da ich mich nicht wie ein normaler Mensch auf ein Schlachtfeld begeben kann, um jemanden nieder
zu fighten, ist das Rauchen eines Joints eine Ersatzhandlung für das Austoben von Aggression.
Das bringt mich zu einem meiner schon lange feststehenden Gedanken: ich habe es schon lange
gesagt und ich werde es immer sagen.
Wenn die ganze Welt einmal einen Joint geraucht hat, wird es vielleicht keine Kriege mehr geben.
Und jetzt bin ich langsam rausgerutscht aus mir und meinem Gefühl. Von meinem Kopf aus fühle ich
einen Pulsschlag, der meine gesamten Eingeweide durchströmt, gleichmäßig, duck – wub... duck – wub,
da ist er, der Rhythmus, die Welle-duck-wub... duck-wub...
Es wird Zeit, diesem Organismus Flüssigkeit zuzuführen.
Der Mund- und Rachenraum wird trocken und irgendwie wird die ein- und ausgeatmete Luft bissig.
Ich kann meinen eigenen Atem zwar nicht riechen, aber ich glaube, er ist sich in seiner
Konzentration am Verschärfen.
Wasser, Tee, Saft, egal – Durst.
Eine kleine Pause für mich und den Schreiber.
Vielleicht werden meine Gedanken dann auch wieder frisch. Im Moment erzittert meine gesamte
Bauchdecke in einem flatternden Spasmus. Ich werde jetzt für heute aufhören zu schreiben, mit
einem Blick auf meine brennende Salzsteinlampe, damit ich morgen wieder mit einem solchen Blick
hier weiterschreiben kann.
Gute Nacht, liebes Tagebuch.
 
Sie brennt wieder, die ionisierende Salzsteinlampe.
Gestern abend bin ich einfach so eingeschlafen. Meine letzte große Erinnerung war das Beobachten
meines Atemrhythmus.
Heute Morgen bin ich einfach wie aus einem Koma erwacht, ohne irgendeinen Gedanken. Wie aus
einer Bewusstlosigkeit hochgeschreckt. Zack, und da war er, der neue Tag.
Mein erster klarer Gedanke ist die Erinnerung ans erste Kennenlernen.
Es ist schon komisch, wenn ich jetzt so darüber nachdenke, wie alles gekommen ist.
Ich lag im Krankenhaus, es war in der kalten Jahreszeit, ich weiß nicht mehr, wieso ich dort war.
Es ist ja auch egal.
Und dann so abends, so gegen 21°°, 22°°Uhr, ich hatte der Nachtschwester geklingelt, um eine
letzte Zigarette zu rauchen, da kam sie.
Mit einem riesen Rums war sie auf einmal da.
Mit freundlicher Stimme fragte sie, wer hier etwas wolle. Und dann passierte es, es waren nur
Sekunden, Bruchteile von Sekunden.
Ich sah in ihre rot schimmernden Bernsteinaugen. Man muss sich das einmal vorstellen, dieses
gedämpfte Licht in einem Krankenzimmer.
Irgend jemand im Zimmer schaut Fernseh.
Und dann kommt sie herein.
 
Circa 1,75m, circa 63kg, weiße Klamotten,
pechschwarzes, medusenhaft hochgestecktes Haar,
zuerst nur eine Silhouette,
und dann im Näherkommen,
die Wahrnehmung eines sonnengebräunten Gesichts.
Ein Püppchengesicht.
Ich habe mir dann komischerweise nur etwas zu trinken geben lassen, und schon war sie wieder weg.
Und als ich eine halbe Stunde später noch mal dem Nachtdienst klingelte, war sie schon spurlos
verschwunden.
Niemand kannte sie, und es war wie eine Fatahmorgana, die eigentlich nicht passiert ist. Und dann,
Monate später, ich war auf der Suche nach einer Mitarbeiterin für meine kleine Firma, die nur
deshalb gegründet wurde, damit ich am Leben bleiben kann.
Und wie das so ist im Leben, erzählt mir ein guter Freund, dass die Schwester seiner Freundin, eine
Krankenschwester, einen Job sucht.
Und dann, es war wieder einer dieser komischen Tage, ich wollte nach Schalkenmehren ans Maar, und
da die Wohnung meines Freundes auf dem Weg liegt, fuhr ich kurz bei ihm vorbei.
Da stand sie da.
Ich hab sie nicht wieder erkannt.
Aber es war auch ein Moment, der sich in mir fest gebrannt hat.
Wieder ein paar Wochen später kam es dann zu einem Bewerbungs- und Vorstellungsgespräch, aus
dem sich ein 10monatiges Arbeitsverhältnis ergeben hat.
Und im nachhinein muss ich feststellen und sagen, dass ich immer gehemmt war.
Die ganze Zeit blockiert. Ich kann einfach nicht mit ihr reden.
Es ist diese verdammte Blockade, die ich schon ewig nicht mehr hatte.
Ich erinnere mich an meine Schulzeit, an die Zeit des Erwachsenwerdens,
an den schüchternen Kerl von früher.
Und es ärgert mich, es ist genauso wie früher.
Und doch ist heute.
Und wenn ich keinen Kloß im Hals habe, dann kommt es mir vor, als wenn ich Steine im Bauch hätte.
Was ist passiert?
Ich weiß es nicht.
Und wenn ich mit meiner derzeitigen Lebensgefährtin darüber rede, dann sagt sie, dass es wohl eine
frühkindliche Prägung gibt, der sich niemand entziehen kann, und die dann ein Leben lang nach
Verwirklichung sucht.
Und das sei ja bei allen Menschen gleich.
Nun ich muss das hier sagen, im Vorfeld der nun folgenden Gedanken, weil sie mir so anders
erscheinen.
Denn ich glaube mittlerweile, 2 Menschen wiedergefunden zu haben, oder besser gesagt, 2
Menschenwesen erkannt zu haben, die ich vor über 30 Jahren verloren habe.
Um das, was ich erlebt habe, nachzuvollziehen, bedarf es eines Mindestalters, weil der Mensch
zuerst selbst ein Bewusstsein erlangen muss, in das sich dann das Bewusstsein eines anderen
einprägt.
Und wenn dieser andere dann, aus irgendeinem Grund, für immer gegangen ist, -
in meinem speziellen Falle ist sie gestorben-,
dann erst kann vielleicht irgendwann, wenn der Zufall es will, wenn all deine Sinne geschärft sind, dir
das Selbe widerfahren wie mir. Es hört sich unglaublich an.
Ich weiß das.
 

Ich habe mich dagegen gewehrt.
Ich will es nicht glauben.
Und da sind die anderen Dinge, die so in mir sind, z.B. die Mathematik, oder andere realistische
Dinge, ich nehme sie auch als wahr.
Dabei handelt es sich hierbei jedoch immer um die Wahrheit von anderen Menschen - gegen meine
eigene Wahrheit, gegen mein Gefühl, gegen das, was ich erlebe, wenn ich in mir ruhe.
Ist das nicht auch Wahrheit, wenn der Regen draußen prasselt und ich meine tiefe Einsamkeit
spüre?
Als ich versuchte mit meiner Psychologin darüber zu reden, war ihr erster Gedanke, dass ich
vielleicht zu viel konsumiere.
Da ich jedoch meinen Konsum schon seit Jahren auf einem fast gleichmäßigen Niveau halte, kann ich
das jedoch ausschließen.
Ich glaube auch, dass es andere Menschen gibt, die ähnliche Erfahrungen haben, mit der
sogenannten transzendenten Welt.
Und ich nehme auch an, dass viele sich das auch nicht trauen, darüber zu reden, weil es einen sofort
aus dem Kreis seiner Glaubwürdigkeit herauskatapultiert.
Ein paar Wenige gestehen sich dann noch geradeso die Lektüre einer Elisabeth Kübler-Ross ein.
Ich bin eigentlich nur ein ganz einfacher simpler Mensch, in gewisser Weise auch ein armes Schwein,
aber das sehe ich nicht so, aber aus der Betrachtung meines beruflichen Werdeganges, handelt es
sich bei einem Menschen auch nur um ein Aggregat.
Der Mensch ist eine biologische Maschine und ich bin eine biologische Maschine mit dem Verstand
eines Kraftfahrzeugmechanikers. Mich hat schon immer gewundert, wie es sein kann, dass ein
lebloser Metallklumpen auf einmal Energie erzeugen kann.
Ist es nicht ein bisschen so, als wenn man menschliche, geistige Energie transformiert hat, in eine
Metallkonstruktion?
Ist nicht in Wirklichkeit das ganze Sein um uns herum eine Transformation unseres Geistes?
Vielleicht auch unseres Gottes, aber doch hauptsächlich im Endeffekt durch uns.
Aber wieder zurück zum Aggregat.
Ich möchte sie wirklich nicht so sehen, aber ich glaube es gibt keinen vergleichbaren Ferrari.
Ich müsste mit ihr reden, unbedingt müsste ich mit ihr reden, und dann?
Was sollte ich ihr sagen?
Was kann man überhaupt dazu sagen?
Mittlerweile habe ich meinen Hundert-CD-Wechsler eingeschaltet.
Es läuft eine CD von Fleetwood Mac.
Albatros z.B. diese bluesige Gitarre und es ist, als spürte man sie in sich vibrieren,
es ist wie eine Anspannung in den Nerven, sie spielen die Gitarre in mir.
Die Wirklichkeit mag anders aussehen, und doch fühle ich sie in mir.
Und wenn ich gleich das Lied „Black magic Woman“ über Kopfhörer in mir loslasse, wird sie da sein.
Es wird keinen Unterschied geben, zwischen ihr und der Gitarre.
Und soeben fühle ich wieder diese Energie.
Es ist eine mir noch unbekannte Energieform.
Sie putzt mich einfach so weg.
Einfach wumm!
Und um diesem Moment nicht zu versäumen,
werde ich jetzt einfach mal umschalten auf Kopfhörer.
 
Danke
 

Es ist dieser Schrei von der gequälten Gitarre, der durch einen fährt, dem du nachfühlst.
Er ist in dir und fährt durch dich
Und wenn du ihm nachfühlst, endet er dort, wo in deinem Körper irgend etwas zuckt, irgend etwas
bebt, es fühlt sich an, als wenn sich Venenklappen schließen, als wenn der Bauch bibbert, und
gluckert.
Das körpereigene Aggregat, es läuft und lebt, es lebt und läuft.
Und im Moment erinnert es mich stark an diese großen V-8-Motoren,
wenn sie im Standgas vor sich hin blubbern. Unregelmäßig, und doch ganz ruhig.
Das ganze Fahrzeug vibriert, es summt sein Lied, und lebt den Traum der Abgase.
Es atmet, wie ich, Sauerstoff, und doch hat es auch einen kleinen Vorteil, man kann es ab und zu
ausstellen.
Dann kann es sich erholen. Man kann es wunderbar warten.
Hier ein Tröpfchen Öl, dort ein Tässchen Benzin.
Ein wenig Gefühl für die Sache und regelmäßige Wartungen halten es fast unbegrenzt am Leben.
Bei uns Menschen scheint das alles etwas anders zu sein. Wir sind scheinbar von absolut vielen
Energien gleichzeitig abhängig.
Ob es eine Mondanziehung ist, die ja schon von den meisten Menschen nicht richtig anerkannt ist,
oder was für Energien es auch sind, ich werde danach suchen.
Denn ich glaube, dass es noch unendlich mehr Energieformen in unserer Welt gibt.
Ich habe Angst, nicht nur um mich, sondern auch um die Menschen um mich herum.
In meinem jetzigen Zustand fühle ich die absolute Unberechenbarkeit in mir.
Sie ist zwar eigentlich schon immer da gewesen, sie ist ein Teil von mir, das ich 30 Jahre versteckt
habe.
Und weil ich mich irgendwie kenne, wenn auch noch nicht richtig, fühle ich diese Angst.
Bis jetzt habe ich alle Unwegbarkeit des Lebens geduldig ertragen, doch was wird jetzt, wenn ein
Widerstand in mir erwächst, wenn ich mich mit all meiner Gewalt dagegen aufbäume?
Ich glaube als aller erstes werde ich einen Regenbogen biegen, und wenn ich das getan habe, gibt es
für mich 2 Möglichkeiten:
Die erste ist die Verwirklichung meiner Träume und Wünsche.
Die zweite Möglichkeit ist der Aufstand, die Revolution, der Kampf und ich warne jetzt schon jeden,
der sich mir in den Weg stellt, wenn ich zur letzteren Möglichkeit gezwungen sein sollte.
Ich hab keine Zeit für einen schmutzigen Trick.
Ich hab keine Zeit, und dennoch will ich gewinnen.
Ich hab keine Zeit, und deshalb steht für mich einfach fest, dass ich gewinnen werde.
Denn ich hab keine Zeit. Noch nicht einmal um zu verlieren, denn wenn ich einmal verloren habe,
werde ich tot sein. Ich glaube nicht, dass Sie wissen was es heißt 12 Jahre lang Testfahrer,
eigentlich Heizer, in einem Ferrari zu sein.
Zu leben:
sie essen in Hast,
die Bissen immer groß,
den Kaffee immer auf Ex,
immer weiter, weiter, weiter mit kleinen Pausen,
mit großen Pausen,
mit Tagen durchlebt wie in Trance,
mit guten Freunden,
mit herben Abenden, mit starkem Cognac,
und noch stärkerem Tabak,
 

immer schnell, getrieben, gehetzt, wie auf der Flucht,
wobei man bedenken muss, dass man eigentlich immer auf der Suche ist. So ist es.
Es ist ein Wahnsinn.
Mit 3-Pit-stop`s wöchentlich, zum Duschen und Scheißen.
Immer weiter, immer weiter.
Und das möglichst mit einem Lächeln und heiter.
Ich habe vor einem ½ Jahr das Auto gewechselt (das Bett) und plötzlich war alles anders, noch
härter, es ist wie, als wenn man ein altes ausgelutschtes Teil gegen ein Straffes austauscht.
Und dann wieder direkt Vollgas, denn man hat ja noch etwas zu tun, man will ja noch etwas erreichen,
und schließlich soll’s ja nicht umsonst gewesen sein. Wobei auch das immer relativ ist.
Das Schlafen, es ist anders geworden.
Es ist heute so, als wenn man in einer Form liegt. Der Körper hinterlässt einen Abdruck in der
Matratze, und dieser Abdruck wiederum gibt dem Körper eine Form.
Es ist ein Stabilitätsverhältnis, eine Art Symbiose.
Danke Elfi !
 
Die erste schlimme Nacht.
Ich glaube, man kann sich einfach nicht dagegen wehren.
Ich schwitze.
Irgendwie hohl sein.
Irgend etwas.
Ich glaube man könnte es jetzt Psyche nennen.
Sie wehrt sich in mir. Mit aller Gewalt.
Eingeschlafen bin ich eigentlich noch ganz normal und dann bin ich plötzlich wach geworden, total am
schwitzen, rasende Kopfschmerzen, die sich in meinem ganzen Kopf austoben.
Und irgendwie fürchterlicher Sauerstoffmangel.
Ich habe keine Luft bekommen.
Zuerst habe ich mich frei gewühlt, die Decke weg, das ging noch einigermaßen schnell.
Da lag sie neben mir, die Decke.
Und ich lag nackt im Bett.
Ich hab versucht Atemübungen zu machen, um den Kopfschmerzen und dem Sauerstoffmangel Herr
zu werden.
Dann hab ich auf einmal wieder geschwitzt, es war mir wieder brühend warm.
Ich habe versucht, herauszufinden, wo es herkam.
Wo kommt es her?
Diese Beklemmung, diese Enge, dieser Schrei nach Leben, dieser Schrei nach Luft.
Ich habe meinen Kopf hin und her geworfen, schnell, immer schneller, dann waren sie irgendwie einen
Moment weg, diese rasenden Kopfschmerzen.
Mein ganzer Körper zittert, verkrampft sich, bewegt sich von selbst.
Beim Mediziner nennt sich so was meistens Spasmus.
Er schießt durch mich.
Er hebt mich an.
Er wirft mich hoch.
Und dann im nächsten Moment fühlst du wie ein Blutdruck durch dich schießt, wie der Blutdruck
durch dich schießt. Du merkst sie überall, diese plötzliche Beklemmung, aber am meisten merkt man
sie an der Kehle.
Sie wird von diesem Blutdruck zugehalten, stranguliert.
 

Es beklemmt, es wirkt.
Und dann, immer, dauernd – das Ringen nach Luft.
Ich schreie, ich schreie nach Hilfe.
Es ist mitten in der Nacht.
Meine Lebensgefährtin eilt mir zu Hilfe.
Es wird die Tür aufgerissen. Und ich bekomme jede Menge zu trinken.
Es tut gut, diese frische, kühle Nachtluft.
Sie streicht über das absolut glühende Aggregat, und wird von ihm eingesogen.
Kühl.
Sauerstoff.
Was ist es?
Verdammt noch mal, was ist es?
Sie muss wieder schlafen gehen, sie kann nicht warten.
Und ich habe einen Fehler gemacht. Ich habe nach einer Zigarette verlangt.
Ich hab sie angeraucht und dann weggeworfen.
So ist das nun mal mit der Unvernunft.
Du kriegst keine Luft, und im nächsten Moment, wenn es dir wieder ein wenig besser geht, wenn du
glaubst, es wird schon wieder, dann versuchst du den Kampf.
Es dauerte diesmal, mitten in der Nacht, nur fünf Züge, danach war er vorbei.
Die Atemnot.
Das brennende glühende Aggregat. Und dann habe ich einfach gewartet.
Ich habe im kühlen Nachtwind, der sich im meinem Zimmer verlief, gewartet.
Vielleicht eine Stunde, aber eher länger.
Und dann, so gegen Morgen, ich weiß gar nicht mehr, was ich in der ganzen Zeit gedacht habe, ich
hab’s schon vergessen, ich hab’s einfach vergessen, so wie man Schmerzen irgendwann vergisst, ich
kann mich nicht mehr erinnern.
Ich weiß nur eins, es ist mir so vorgekommen, als wenn jemand ab und zu da gewesen wäre, um nach
mir zu schauen.
Wie ein Hauch hab ich sie vernommen. Schaute sie rein, und war wieder weg.
Irgendwann hatte ich dann meine Körpertemperatur einigermaßen normal und ich konnte mir gegen
Morgen wieder eine Decke geben lassen, und die Tür schließen lassen.
Der Sauerstoffmangel ist geblieben, und das erste was ich heute Morgen zu hören kriegte war:
„Atme doch normal! Atme doch normal!“
Ich kann es jetzt nicht.
Ich atme, wie es atmet.
Es ist der Körper, der atmet.
Ich bin es nicht.
Es ist nicht mein Kopf.
Gut, ich könnte ihn dazu zwingen, diesen Atemmechanismus, aber ist es nicht so, dass dieser Körper,
auch ohne meinen geistigen Zwang, weiterleben wird.
Das Herz, es wird einfach weiterschlagen, ohne mich zu fragen, ob ich das will.
Die Atmung, sie wird einfach weiteratmen.
Die Luft wird immer schlechter hier um mich herum.
Oh, dieses Scheißparfüm...
Bitte Elfi öffne die Tür.
Lieber jetzt viel zu kalte Luft, mit Mücken und Fliegen, die jetzt zu mir in den Raum schwebt.
Es wirkt, es wirkt.
 

Verdammt und zugenäht.
„Elfi wie atme ich gerade?“
„Das merkst du doch selbst!“
Mein Atem ist irgendwie ruhiger geworden, und ich warte auf die Caritasschwester.
Es ist Freitagmorgen kurz vor Neun.
Wir werden gleich aufhören zu schreiben, Elfi und ich.
Ich glaube Elfi ist genervt, an Hand des verrückten Menschen, für den sie arbeiten muss, für den sie
arbeiten muss oder will, oder auch nicht will.
Ich möchte mir nicht selbst irgendwelche Zwänge auflegen für die Zukunft, aber ich glaube meine
große Zeit, des Rauchens ist bald vorbei.
Ich weiß nur noch nicht, wie ich das mir selbst und meinem Körper beibringen muss.
Vor allen Dingen, weil ich die letzten 13 Jahre auch oft aus Langeweile geraucht habe.
Oft habe ich nur geraucht, damit mal jemand vorbeikommt.
Ich habe die letzten Monate versucht, dieses Rauchen nur noch wie ein Genusmittel zu sehen.
Und diese Sucht in mir zu bekämpfen. Im Moment wo ich darüber nachdenke und wir es hier
schreiben, kommt mir das alles wie ein Schrei nach Leben vor.
Ein ganz erbärmlicher Schrei nach Leben.
Ich muss jetzt aufhören, bevor ich wieder in irgendein anderes Loch falle.
Ich werde jetzt meine Konzentration auf den Traubenzucker lenken, den ich jetzt zu mir nehmen
werde, da mein absoluter Tiefstpunkt für die nächsten 3 Tage noch vor mir liegt.
Bis jetzt gings mir ja noch einigermaßen, aber wie wird heute das Baden sein?
Ich nehme an, dass es hierbei einmal passieren wird, dieses Wup-Tuc, es macht vielleicht dann nur
noch einmal Wup und nicht mehr Tuc, und dann bin ich hoffentlich frisch geduscht oder gebadet.
Und wenn das nicht so sein sollte, in dem Moment, wenn das Leben aus mir herausgehen sollte,
möchte ich nicht mehr hergerichtet werden. Ich möchte dann sofort in eine Holzkiste geworfen
werden.
Keinen Moment länger soll mich noch jemand anfassen, mir im Bett was tun.
In der Kiste möchte ich liegen und auf den Arzt mit dem Totenschein warten.
Und sobald es den gegeben hat, verschenke ich noch alle meine Ringe, und dann möchte ich einen
Deckel haben, und möglichst schnell verbrannt werden.
Im Moment sagt mir eine Stimme, dass es noch lange dauert, 78 Jahre.
Anders sieht es aus, wenn ich wüsste, dass es heute wäre, dann ließe ich schon jetzt die Holzscheite
aufschichten. Für ein Freudenfeuer – für mein Freudenfeuer.
In unserer Welt, voller Gesetze und Regeln, wird es wohl nicht so kommen, wie ich gerade
geschildert habe, aber ich wünschte mir, dass es so möglich wäre.
Nach dem Tod, in einer Holzkiste, auf einem riesigen Holzhaufen, verbrannt zu werden.