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Liebe 1996

weiter
Ohne Angabe von Geschwindigkeit, weil sie nicht mehr existent sein wird.
Den Bogen gespannt und losgelassen, einen Bruchteil, bevor er bricht.
Den Bogen zerbrochen, und doch tödlich getroffen. Ein Schuss, und diesmal nicht der vor den Bug.
Plattschuss, getroffen ohne Munition, geschossen ohne Pulver, verletzt ohne Wunde.
Tod und doch lebend.
Mensch und doch Geist.
Die vierte Dimension.
Durchbrochen wie eine Glasscheibe, zerfetzt, unbrauchbar geworden, Schrott.
Und doch unberührt wie eh und jäh.
Ich müsste gehen, und wenn ich laufen könnte, müsste ich rennen, und wenn ich rennen könnte,
würde ich mich den Abgrund hinunter stürzen, um zu fliegen, und wenn ich fliegen könnte, sie wäre
wohl verloren, denn ich würde mich auf sie stürzen, ich würde sie zerreißen, ich würde sie zerbeißen,
bis das Blut spritzt.
Irgendwo sind wir alle Tiere.
Es ist das Animalische, was in uns lebt. Dieses Animalische wird uns immer wieder zusammentreiben,
weil es zwischen uns steht. Wir alle lieben es, und wir alle hassen es.
Es ist das Dilemma des Geistes in der biologischen Einheit.
Es ist das Dilemma der gequälten Kreatur durch den Geist.
Es ist aber auch die Chance, die Chance einer Zusammenführung, einer Vereinigung.
Und wenn wir in uns selbst zu Waffenbrüdern geworden sind, dann sind wir stark, die stärksten
überhaupt.
Und es wird keinen Gegner mehr geben außer uns selbst, oder unseres Gleichen.
Wir müssen nur eins werden, eine Einheit in Freiheit.
Es sind diese zwei Parallelen, zwischen denen ich mich bewege: auf der einen Seite die Einheit als
Parallele und auf der anderen Seite die Freiheit, und dazwischen ich, in einer Welle bewegend, nach
vorne strebend, die Linie suchend, meine Linie suchend.
Es fällt mir die Frage ein: „Wann werden sich zwei Parallelen berühren?“
Und die Mathematiker in meinem Leben lehrten mich: das niemals oder in der Ewigkeit.
 

Ich werde meine Geschwindigkeit erhöhen und dann werde ich sie irgendwann berühren, die eine
rechts von mir, die andere links von mir. Und sie werden sich durch mich berühren.
Und dann wird es auf einmal da sein, dieses Niemals der Mathematiker.
 
Ich muss jetzt wieder zur Ruhe finden, und versuchen mich zu regenerieren.
Leider ist aus meinem Versuch ein Tagebuch zu führen nichts geworden.
Es hat mich verändert, dieses Buch.
Es wird wohl die Müllhalde für mein tiefstes Inneres werden.
Und da ich mich nur dann auskotzen kann, wenn ich jemand zum Schreiben habe, sind die Tage
eigentlich schon gezählt, ja sogar schon die Stunden.
Mein Aggregat schreit, ich muss ihm helfen. Es sind diese Schreie, die nicht jeder hören kann.
Dafür hört man, wie sie schreien, die Maschinen, die Aggregate, die Menschen, die Tiere, die
Pflanzen. Sie alle können schreien.
Auch ein stummer Schrei ist und bleibt ein Schrei auf diesem, riesigen, großen Dreckklumpen.
 
Get out of my life and don`t come back.
 
Irgend etwas in mir ist sich am verändern.
Bis jetzt ist absolutes im dunklen tappen angesagt.
Ich weiß nicht was es ist. Der Aggregatzustand verändert sich in mir.
Also ich werde wohl der selbe bleiben, sowie Wasser dasselbe ist, auch wenn es gefroren ist, oder
als Dampf existiert, aber dennoch ist sich alles so am verändern, es erinnert mich irgendwie an
diesen Film, wo es einen Mann aus flüssigem Metall gab.
Das Letzte woran ich mich am Freitag erinnern kann, und was total intensiv war, das waren diese
Herzschmerzen, diese stechenden Herzschmerzen.
Herbes Seitenstechen, wie das jeder kennt, nur halt eben vom Herzen ausgehend, Richtung
Schlüsselbein.
Es hat sehr viel Ähnlichkeit mit dem Seitenstechen, das man auch da kennt, oben irgendwo, wo die
Lunge festgemacht ist.
Und dann kommt der Samstag, und der ist noch intensiver.
Und ich denke mir die ganze Zeit, an dem Samstag, dass ich davon am Liebsten nichts schreiben will,
weil ich a.) keine Worte dafür finde, und weil ich b.) doch irgendwie auf der Suche nach dem
Positiven bin.
Es ist der Sonntag gekommen, und ich war noch immer der Meinung, ich werde darüber überhaupt
nichts schreiben.
Und gleichzeitig scheint sich irgendwie ein selbständiger Mechanismus eingeschaltet zu haben, eine
Art Automatik, weil jetzt irgendwie der ganze Körper, das ganze Aggregat wie betäubt ist.
Taub, wie nicht direkt zu verletzen, kein Schmerzempfinden. Und irgendwie ist die ganze Sache auch
nicht mehr OK.
OK war die Kündigung, solange wie ich noch dachte ein vernünftiges Ende hinzukriegen. Vielleicht
wenigstens wie 2 zivilisierte Menschen, weil das ja wohl der Grund ist, wieso das alles so gekommen
ist.
Aber bis jetzt sieht es ja noch gar nicht danach aus, als wenn es eine richtige vernünftige
Verabschiedung gibt, ich weiß ja nicht, was überhaupt passiert.
Also, ich fühle mich irgendwie so, als wenn die Pulverkammer explodiert wäre.
Und das stellt sich für mich in einem Bild so dar, als wenn der ganze Brustkasten die Pulverkammer
wäre, und als wenn da alles da unten rum gesprengt, weg gesprengt wäre, alles zerfetzt...
 

Weißt du, wenn man die Decke unten rum langsam wegschiebt, da ist dann alles weg gesprengt, fort.
Wenn einem Feind im Krieg die Pulverkammer explodiert, ist meistens der Krieg vorbei, und die
Schlacht ist verloren.
Ich schätze es wird noch ein paar Wochen brauchen, bis das ich dieses Wochenende irgendwie
verarbeitet habe.
Was mir im Moment ein bisschen Sorgen macht, das ist, dass ich a) nicht mehr geträumt habe, seit
geraumer Zeit und das b.) halt eben sich dieser Körper am verändern ist.
Es ist schon immer schwer gewesen anderen Menschen etwas von einem Gefühl zu erzählen, von
einem Körper, der eigentlich nichts fühlen soll.
Und jetzt das darzustellen was sich da am verändern ist, da Worte zu finden, das geht überhaupt
nicht. Es ist irgendwie taub und fühlt sich irgendwie wie eine Maschine an.
Und ab und zu, wenn ich ganz ruhig daliege oder ganz entspannt dasitze, dann gibt es diese
Herzsystolen. Es kommt mir dann so vor wie eine ganz gewaltige Fehlzündung, weil die Gewalt, die da
drin ist, den ganzen Körper irgendwie kurz anreißt. Wie man das halt eben auch von Autos kennt. Ja.
Und dann ist das Schlimmste überhaupt, dass ich angefangen hab meine Ideale zu verlieren.
Es weiß noch nicht mal genau, was das für Ideale sein könnten, aber irgendwie kommt es mir so vor,
als wenn sie bedeutungslos würden. Und ich musste viel an meinen Freund Egon Helmes denken, der
sich sehr gut im katholischen Recht auskennt, meinem ursprünglichen Glauben.
Ich war bei ihm, und habe ihn gefragt, wie das ist, wenn man die Liebe gefunden hat und die dann
versuchen will, zu legitimieren.
Und er antwortete mir: „Mit einer Frau ist das OK. Aber für mehrere gibt es die nicht, das sieht die
Kirche nicht vor. Das Kirchenrecht.“
Und darauf hin habe ich ihm geantwortet: „Ja ich hab doch aber die Liebe gefunden, die steht doch
über allem.“
Und er antwortete: „Du darfst sie auch alle lieben, aber du kannst sie nicht alle heiraten.“
„Tja,“ hab ich ihm geantwortet, „jetzt weiß ich auch, dass es richtig war auszutreten aus eurer
Glaubensgemeinschaft.“
Und ich habe ihn auch gebeten nachzuschauen, ob es nicht irgend welche Präzedenzfälle gegeben
hat. Aber das konnte er schon direkt ausschließen.
Ich habe mich dann verabschiedet und ihm gesagt, ich werde den Kampf aufnehmen, und wenn es
sein sollte, dass ich ein eigener Religionsführer sein müsste. Ich habe jetzt irgendwie den Gedanken,
dass ich meine Religion gefunden habe:
Es ist die Religion der Apokalypse, es ist die Religion mit dem Namen „Frei“.
Denn ich will verdammt sein, wenn ich Religionsführer sein wollte. Und ich fühle mich heute mehr
denn je als ein Sucher, ein Sucher, der die Aufgabe sucht.
Ich habe letzte Nacht darüber nachgedacht, was ich wohl als nächstes anvisieren sollte.
Es ist eigentlich dieser Bursche von früher, den ich suchen müsste, ich weiß, er ist irgendwo in mir,
doch er ist über die Jahre sehr verschüttet worden. Er erscheint mir im Moment als das
Erstrebenswerteste überhaupt.
 
Frech, fröhlich und frei!
 
So war er, und so wurde er früher auch immer geliebt und hat die Herzen der Tanten einfach
erobert.
Danke, vorläufig.
 
Gestern, gestern war wieder einmal einer dieser außergewöhnlichen Tage. Seltsam, einfach seltsam.
 

Ich war zu, wie ausgeschaltet.
Und dann kam Tanja.
Und ich habe eine einstündige Nackenbehandlung von ihr bekommen.
Schon während der Behandlung habe ich mich irgendwie innerlich beruhigt.
Und dann, als Tanja schon weg war, war es auf einmal wieder da, dieses 3 dimensionale Sehen, dieses
leuchten der Farben.
Ich fühlte mich, wie als wenn man mich wieder eingeschaltet hätte.
Ich hatte schon gedacht, es wäre für immer verloren. Aber es war einfach wieder da, und ist dann in
circa ¼ Stunde bis 20 Minuten ganz langsam wieder verglimmt. Einfach wieder ganz langsam
ausgegangen. Und im nachhinein muss ich wohl feststellen, dass es in mir so etwas wie eine
Automatik gibt.
Dann, wenn sich meine Freundin zu mir legt, ist es auch da. Nur anders, es ist wumm!
Und dann ist es da. Es ist irgendwie derselbe Mechanismus.
Und da ist mir richtig deutlich geworden, durch den Unterschied, einmal ganz schleichend, wie bei
Tanja, und einmal einfach wumm.
 
Mittlerweile bin ich wieder ganz abgekühlt, es ist Dienstagmorgen und mein gesamtes Umfeld sucht
nach seinem Alltag.
Apropos Alltag, ich habe noch ein Resümee vom vergangenen Wochenende, das da lautet: man ist
einfach nicht in der Lage, das zu verhindern, was einem passieren muss.
Es ist wie mit einem kleinen Kind, dem man sagt, geh nicht an den Ofen, der ist heiß, und dennoch
wird und kann es das nicht verstehen, bevor es sich nicht selbst einmal verbrannt hat, es gespürt
hat. Ich frage mich mittlerweile ob die Menschen sich jemals über diese Automatik hinwegsetzen
können. Es würde bedeuten, dass die Menschen sich wie auf einer Evolutionsstufe einen Schritt nach
oben entwickeln könnten.
Oder soll die Menschheit wohl immer in dieser Automatik hängen bleiben.
Mein ganzes Denken beschäftigt sich schon seit mindestens 10 Jahren damit.
Und da bis jetzt scheinbar noch alle in sich und in dieser Automatik gefangen sind, schöpfe ich auch
Mut und Hoffnung bei dem Satz: man kann nicht verhindern, was einem passieren soll.
Denn er gibt mir sehr viel Hoffnung, was mein letztes Buch betrifft.
Dieses Buch, in dem ich den ersten föderalen Einheitsstaat vorstellen werde.
Und ihr alle könnt es gar nicht verhindern, weil ich es tun werde.
Manchmal kommen mir die Menschen vor, wie im Schlaf. Sie träumen alle und leben ganz nebenbei.
Und wo ich so weiter darüber nachdenke, über mein vergangenes Leben, wie oft man mich da schon
missverstanden hat, wie oft man es nur missverstehen wollte und wie oft ich mir in meinem Leben
schon anhören musste, dass ich wohl verrückt bin, da kommt mir der Gedanke, dass ich wohl noch der
Gesündeste im Kopf bin, weil ich es wahrnehme.
Denn dass, was ich nicht sehen kann, das kann ich dann vielleicht hören, oder fühlen, oder riechen.
Irgendwie hat es etwas mit all meinen Sinnen zu tun.
Sie funktionieren ganz einwandfrei und total von innen heraus.
Und ich muss feststellen, dass das einzige Problem, das ich in der Vergangenheit hatte, vielleicht
einfach eine Sinnesüberflutung war, zuviel Input.
Was dann zu Chaos und Verwirrung geführt hat.
Da für mich Gott schon immer existierte, ich will damit sagen, ich brauchte ihn nicht nachzufragen,
er war einfach gegeben, glaube ich ihn heute auch irgendwo erkennen zu können.
Und ich erinnere mich an meinen Freund Egon, der sagte: „Gott ist überall. Du brauchst ihn nur
anzunehmen.“
 

Vielleicht ist er irgendwann einmal, vor langer, langer Zeit, einfach zerplatzt.
Er hat sich vielleicht einfach einen Dreckklumpen in diesem riesigen Universum ausgesucht, wir
nennen ihn heute Erde, und dann ist er einfach zerplatzt.
Und das ganze Leben, das ganze Sein ist dann aus ihm entstanden.
Und ein jeder von uns, jedes Lebewesen hat diese Automatik mitbekommen, die das Leben in all
seiner Vielfalt mit sich bringt.
Nun gut,“ könnte man jetzt sagen, „dann soll es so sein,“ und wir bleiben weiterhin in dieser
Automatik hängen.
Diese Denkweise ist jedoch die Denkweise der konservativen Menschen.
In gewisser Weise die Einstellung der geistig Zurückgebliebenen.
Ich bin jedoch der Meinung, wir müssen sie verstehen lernen, um sie dann auch erhalten zu können.
Denn die Wirklichkeit, wie sie uns im Moment vorkommt, ist als ein Produkt unseres Geisteszustands
zu sehen. Es gäbe kein Ozonloch, wenn es dem Menschen nicht gelungen wäre, den Geist in die
Maschine zu zwingen.
Wir müssen also zwangsläufig, im wahrsten Sinne dazu gezwungen, irgendwann diese geistige
Evolutionsstufe überschreiten, um dann zum Mensch und dessen wahrem Dasein zu finden.
Das Leben, wie wir es jetzt kennen, ist doch nur ein Aggregatzustand. Und wenn ich es mit dem
Wasser vergleiche, das es flüssig, gefroren und gasförmig gibt, dann wissen wir noch äußerst wenig
über uns, denn wir haben in Wirklichkeit noch nicht richtig unseren Flüssigkeitszustand begriffen.
Wenn das Leben wie flüssiges Wasser wäre, dann wissen wir doch noch nicht einmal richtig, was sich
zwischen dem Gefrieren und Verdampfen abspielt.
Es müsste jetzt jedem verdeutlicht sein, dass wir auf diesem Gebiet noch mehr, wie am Anfang
stehen. Schon oft ist mir beim Nachdenken über diese alten Sagen, Märchen und Geschichten der
Gedanke gekommen: „Was ist, wenn diese Welt der Sitz der Götter ist?“
Wie stand irgendwo geschrieben?
...und Gott schuf den Menschen nach seinem Angesicht...
Dabei kommt mir wiederum der Gedanke, dass wir doch vielleicht alle Götter sind.
Ich halte das übrigens für absolut denkbar, vor allen Dingen in Sicht auf die vielen Energien, die wir
noch gar nicht kennen, die jedoch in uns und um uns herum sind.
Und es kommt mir so vor, als wenn diese Götter, also wir, noch wie Kinder ihren Traum träumen.
Vielleicht ist es einfach an der Zeit zu erwachen.
Vielleicht ist es einfach an der Zeit zu erwachen.
Vielleicht ist es einfach an der Zeit anzunehmen.
Vielleicht kann es nur Wirklichkeit werden, wenn wir es einmal angenommen haben.
Vielleicht.
Und ich muss an Egon denken, der einmal zu mir sagte, er sieht mich wie einen Magister. Denn so wie
ich würde wohl niemand denken, meinte er.
Ich kann mich auch noch an unser Streitthema von damals erinnern. Ich habe ihm die Frage gestellt,
was ist das für ein Paradies, in dem es eine Falle gibt.
Worauf er keine Antwort wusste, weil er wohl die Frage nicht verstand.
Doch in meinem Verständnis ist das Paradies ein Ort, der unzerstörbar ist.
Sozusagen ein Endzustand. Ohne Wenn und Aber.
Ich habe meinem Freund damals die Geschichte erzählt, von den Mäusen.
Man stelle sich einen riesig großen Raum vor, und in diesem Raum leben die Maus Adam und Eva und
die Ewigkeit.
Warum gab es dann eine Mausefalle?
 

Und wenn der Raum noch so groß wäre, und die Zeit noch so lange dauern würde, irgendwann wird
eine dieser Mäuse in diese Mausefalle tappen.
Und wir kamen gemeinsam auf den Nenner, dass es wohl schon vor der Schaffung des Paradieses
einen Unfall oder ein geistiges Verbrechen gegeben haben muss, dass der Sündenfall wohl schon
vorher da gewesen sein muss.
Vielleicht ist es die Vergewaltigung der Kreatur, ich weiß es nicht zu benennen heute.
Eine Art Vergewaltigung der Kreatur durch den Geist, das Übel aller denkenden Menschen.
Geboren, um es zu ertragen, bis zum Ableben.
Als ein alter Startreck-Fan habe ich dieses Grundgedankengut so ganz für mich alleine bis zum
Exzess in unserer Welt weitergesponnen. Einmal gesponnen bis ganz hinaus ins Universum und wieder
zurück. Und es ist eigentlich nur eins hängengeblieben, dass ein jeder von uns ein Gott ist.
Warum verhalten sich nur alle so? So schrecklich gegeneinander?
Viel schlimmer wie Tiere, gegeneinander.
 
Geradezu krankhaft.
Warum ist das so?
Hierauf werde ich noch versuchen weitere Antworten zu finden.
Ich für mich hab’s versucht.
Und ich kenne viele andere, die es auch einfach so versuchen, die es auch tun.
Fehlt uns nicht einfach nur der große Zusammenschluss, die große Verbindung aller Energie zu einem
gemeinsamen Ziel. Ist es nicht sogar so, dass es das große Ziel gibt?
Es nennt sich eigentlich Leben.
Doch es gibt auch die Kommunikationsschwierigkeiten.
Sie sind es wohl, die uns daran hindern weiterzukommen.
Kommunikation; Kommunizieren.
Und da ist sie, die Brücke zu meinem alten Glauben, in dem es sogar eine rituelle Handlung gibt, die
sich Kommunizieren nennt.
Welch ein seltsamer Zufall.
Welch eine merkwürdige Querverbindung.
Eine Einheit schaffen und das in Freiheit.
Ich finde es gibt sogar einen Beweis für meine Theorie, dass wir alle Götter sind.
Es sind diese göttlichen Menschenwesen, diese begehrenswerten Frauen oder auch Prinzessinnen.
 
Apropos Prinzessin, ich frage mich wie das wohl in meinem Leben weitergehen wird, mit mir und
meinen Prinzessinnen.
Denn ich kann sie erwarten.
Nach der letzten Krankmeldung gab es auch die Zusage, noch eine Woche arbeiten zu kommen.
Sie wird also wahrscheinlich Montagmittag wieder hier erscheinen.
Und im Verlauf der vergangenen Nacht habe ich wieder einmal versucht ein Wort dafür zu finden,
für das Ganze.
Tausendmal tausend Gedanken und dann noch mehr.
Aber ich habe es wieder einmal gefunden, ich hatte es schon direkt, und dann habe ich es überprüft,
ob es auch genau trifft, ob es nicht ein Besseres Wort dafür geben könnte.
Es gibt kein Besseres Wort, kein Besseren Begriff, der es treffen wird:
 
Grausam, grausam, grausam, grausam, grausam.
Man muss es sich einfach immer in seiner Gedankenwelt ein paar Mal vorführen. Grausam, dieses
Wort, das doch gar nicht verletzen will, eigentlich harmlos: grau und sam; grausam.
Es ist ein Begriff, der auch auf jeden Krieg und auf jede Schlacht zutrifft.
 

Und je länger man sich damit beschäftigt, desto intensiver wird das, was dahinter stehen kann.
Grausam, ähnlich wie schrecklich und doch vielleicht nicht so viel.
In gewisser Weise ist die ganze Menschheit noch in einem Krieg, jeder mit jedem.
Und da wir geteilt sind in Mann und Frau und so zahlreich wie der Sand am Meer, ist es eine
schreckliche Gräueltat. Grausam wie Gog und Magog.
Auch diese Bücher habe ich gelesen, die Bücher der Bibel.
Und doch eigentlich nur eins.
Und dann habe ich sie verbrannt; Asche zu Asche; Staub zu Staub.
Diese Bibel, sie ist verbrannt mit all meinen anderen Unterlagen. Es war ein Freudenfeuer der
Befreiung.
Zwei riesige Plastikmüllsäcke voll. Mitten in der Nacht. Und ein Tässchen bleifrei, ein absolut
großartiges Feuer, mit einer stehenden Flamme bis über 4m.
Für die Bibel war es grausam, aber es stand doch in Wahrheit nur ein Wort darin was wirklich zählt,
nur ein Wort, mit Tausenden, in Tausenden von Tausenden Worten erklärt.
Die Bibel, sie ist nicht mehr als eine Metapher.
Der Glaube, er ist nicht mehr als ein Haltegriff.
Das Sein, es ist da, und jetzt.
Nicht irgendwann, sondern auch irgendwann. Irgendwann wie irgendwie.
Sein, es ist ähnlich wie Strom, ähnlich wie ein Elektron. Diese Energie, die wir aus der Steckdose
kennen. Und ein jeder sollte darum bemüht sein, so vernünftig wie möglich damit umzugehen.
Es umzusetzen, immer, irgendwie.
Man muss es einfach versuchen, und ich möchte es einmal ganz platt sagen, irgendwann muss und
wird das Gute über das Böse siegen.
Es ist der Traum der Menschheit. Es ist die Geschichte der Genesis.
Es ist das Ziel des Seins. Und es ist absolut nicht mehr weit.
Und es ist absolut doch nicht mehr zu erreichen.
Es ist eine Welt wie unsere, mit Menschenwesen und mit Menschenkindern.
Und wenn du jemanden niesen hörst, dann wünsche ihm einfach Erleuchtung.
Und vielleicht werde ich ja noch erleben, wie im Universum einer das Licht einschaltet.
Ich wünsche es mir, schon alleine für meinen Kosmos, weil ich ihn nicht aufgegeben habe, meinen
Traum. Den Traum der Träume.
Etwas, von dem ich wohl nie schreiben werde.
Und es doch vielleicht schon die ganze Zeit tue. Ja! Ja, ja, ja. Mein Traum.
Es ist der Traum von
Michelle Jesse Sue Free DALI da Silva
Aber davon werde ich euch ja nichts erzählen, und für heute werde ich jetzt Schluss machen.
Ich danke euch allen.
Ich danke euch allen mit einem Lächeln.
Frech, fröhlich, frei.
 
Ich habe heute dieses Buch gelesen.
Seitdem glüht mein Aggregat – mein ganzer Körper.
Und es klemmt, wie ein Motorschaden klemmt es.
Ich spüre, ich muss mich befreien.
Ich muss mich zeigen, wenn auch nur einen ganz kurzen Moment.
Aber sie alle müssen es einmal gesehen haben – erfahren haben.
Sie müssen es wissen.
 

Und sie müssen es jetzt wissen, denn ich brauche sie.
Ich brauche sie alle, wobei mein Alle mit zwei l und zwei e geschrieben wird, um es fest zu machen.
ALLEE:
Und dann sollen sie wieder alle frei sein.
Frei sein, um zu leben, wie immer sie es für richtig halten.
Ich werde sie lieben, egal was passieren wird.
Lieben – für immer – ewig
Entschuldigung
Gefangen genommen, eingekerkert, eine Geisel geworden, großer Schrei nach Befreiung, es ist in mir
und es ist um mich herum.
Und es ist, weil es um mich herum ist, in mir.
Druck, unheimlicher Druck.
Ich muss mich befreien.
Mein Körper zittert.
Es ist die ständige Anspannung.
Ständig, dauernd, immer.
Druck von innen nach außen, von außen nach innen und überhaupt.
Und mein Atmungsorgan als eine Druckpumpe, auch zwischen außen und innen.
Und dieses Kribbeln, überall, überall dieses Kribbeln. Und dann ist sie da, diese Verkrampfung.
Es ist wie, als wenn jemand diesen Muskel festhalten würde, als wenn ihn jemand in der Hand halten
würde, der ihn immer nur ein klein wenig zucken lässt, dieser Herzmuskel.
Denn bei jedem zucken stößt er an seine Grenzen, wird er angehalten, wird er gebremst, wird er
stranguliert.
Ein riesiges Etwas greift in diesen Brustkasten und hindert mein Herz daran einmal ganz
durchzuschlagen, ganz auszubeulen, sich ganz zu entfalten.
Ich suche die ganze Zeit schon, seit meinem ersten hier geschriebenen Wort, nach einer Lösung, und
finde sie nicht.
Ich finde nichts, gar nichts, nichts, was mir in der ganzen Zeit geholfen hat, helfen könnte.
Ich habe mit dem Pfeife rauchen angefangen.
Ich rauche gar keine Zigaretten mehr, aber auch diese Umstellung scheint sinnlos.
Innerhalb von dieser kurzen Zeit habe ich schon über 100 Filter verbraucht, über 100 Pfeifen also
geraucht. Dann ist es auch in meinem Körper wieder ganz anders geworden, er strebt nach Kühle,
anstatt nach Hitze.
13 Jahre war mir nur kalt, und jetzt auf einmal ist mir total heiß.
Es kommt wie Wechselbäder, wie Wechselduschen.
Es ist mir warm, der Körper schreit nach Luft, nach Sauerstoff und mein Gefühl vermittelt mir, dass
ich irgendwie schwitze, koche.
Langsam bin ich am zerkochen, oder am verbrennen, wer weiß das schon. Und dann gibt es auch
wieder diese Momente, wo ich wieder friere, wo ich nichts tun kann, weil ich friere.
Im Hochsommer, die Heizungen alle auf 5, die Decke bis zur Nase, und frieren.
Ich stehe buchstäblich auf dem Kopf.
Wie neulich, als ich mitten in der Nacht einen Kopfstand gemacht habe.
Ja ich der Gelähmte, der da einfach nur in seinem Bett liegt, nichts bewegen kann eigentlich, ich
habe ihn gemacht, einen Kopfstand, einfach so, aus dem Bett heraus.
Man muss diese Welt manchmal auch mal auf dem Kopf stehend erleben.
Wer mich kennt, wird vielleicht wissen, dass ich nichts unversucht lassen werde, um irgendwie der
Lage Herr zu werden, um über mich Herr zu werden in diesem Fall.
 

Oder ist es schon zu spät?
Denn ich habe ihn schon wieder gesehen oder besser gesagt gespürt, ich habe ihn noch nicht
gesehen, gespürt habe ich ihn, diesen Abgrund, er zieht mich sonst immer magisch an.
Ich bin auch schon 2-3 mal hinein gesprungen.
Nicht um fliegen zu lernen, oder vielleicht auch doch?
Ich kenne ihn, diesen Abgrund, es ist eine Grenze, die, wenn du sie einmal überschritten hast, und
sie haben dich wieder zurück geholt, dann musst du alles dafür tun, dass sie nicht um dich herum ist,
dass du sie nie spürst, dass du sie nie siehst. Aber vielleicht ist das bei anderen Menschen ja anders,
mich zieht sie magisch an.
Es ist meine Grenze, zu meiner definitiven Freiheit.
Und sie zu überschreiten, aus eigenem Willen, weil ich schon 1000 Dinge überlegt habe dafür, 1000
Öffnungen kenne.
Eine Fahrt mit dem Elektrorollstuhl, runter auf die Autobahn, bis dass einer trifft.
Eine Fahrt über den Holzsteg am Maar, bis das einer fällt.
Eine Schachtel Zigaretten ohne Filter einfach so essen.
Zehn Rohypnol, die Atmung würde erlahmen. Oder sich aufspießen.
Ich hab sie mir alle überlegt, ich kenne sie alle, diese Möglichkeiten.
Es ist so, als wenn sie mich anziehen würden.
Ich bin eingesperrt. Ich muss mich befreien.
Am liebsten würde ich hier weggehen.
Ich kann mich noch erinnern, an die Zeit, wie ich noch laufen konnte, und meinen damaligen 1. Sprung
in diesen Abgrund, ich weiß nicht wieso, es hat einfach nicht funktioniert, und das nicht, weil irgend
jemand mir zur Hilfe gekommen wäre, es hat einfach nicht funktioniert.
Und dann bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass wenn es wieder kommt, dann würde ich einfach
gehen.
Bevor ich wieder springen würde, würde ich einfach mein zu Hause verlassen, meine Heimat, notfalls
auch dieses Land. In die Welt.
Ich würde lieber in die Welt gehen, wie in den Tod. Es muss etwas passieren.
Es wird nicht mehr lange dauern, ich fühle das.
Irgend etwas muss explodieren und dabei wehrt sich mein ganzer Körper, er zittert mit jeder Faser.
Ich muss raus hier, ich werde wohl ins Krankenhaus streben, als erstes, als nächstes.
Als erstes und nächstes werde ich ins Krankenhaus streben.
Was sollte ich sonst für einen Weg gehen?
Mein Gefühl sagt mir, ich müsste schon lange dort gewesen sein.
Und soeben kommt schon wieder eine Druckerhöhung, eine riesige, stinkende Parfümwolke, sie
erhöhte sofort den Druck auf mich und in mir.
Ich hasse sie, diese Stinkereien.
Und wird nicht mehr lange dauern und es wird wieder dieser stundenlange Kochgestank bei mir im
Raum hängen.
Ich fühle, ich muss raus hier, ich muss raus, raus, raus, raus, einfach raus hier.
 
Und ich erinnere mich an mein Kubusspiel, an mein 1. Kubusspiel, und ich sah dieses weiße,
wunderschöne, athletische, wilde, total zerzauste Pferd.
Es war wie leer gepumpt, es war wie tot geritten, es stand da, in dieser beschissenen Wüste und es
hat mir überhaupt nicht gefallen, ich habe mich dagegen gewehrt, gegen dieses Pferd.
 

Und dann habe ich irgendwann gemerkt, dass ich dieses Pferd war, zerschunden irgendwie KO, nur
damals erschien mir dieses KO noch wie ein gesundes KO, dieses KO wie nach einer getanen Arbeit,
ein erleichterndes, ein befriedigendes, ein regenereatives KO.
Ich habe mir dann die Frage gestellt, wer wohl dieses Pferd so zerritten hat und wieso dieses Pferd
ausgerechnet da bei diesem Kubus stehen sollte.
Ich habe nachgeschaut, aber niemanden gefunden.
Da steht also mein Pferd in dieser Wüste und es ist ganz zerschunden und es machte auf mich den
Eindruck, als wenn es nach getaner Arbeit hier abgestellt worden wäre.
Es hatte jedoch keinen Sattel, aber man konnte noch sehen, dass da einmal so etwas war.
Es war nicht angebunden aber es hatte ein Zaumzeug an, aus dem selben Material wie mein Kubus.
Und nach einiger Zeit der wirren Gedanken und des Suchens, hab ich dann diese Hufspur gesehen,
sie war nur einen kurzen Moment zu sehen, dann war sie wieder weg, verweht.
In letzter Zeit frage ich mich dauernd, wieso ich so geworden bin.
Wieso bin ich so, wie ich bin?
Und ich muss an meine Schulzeit denken, an die ersten drei Schuljahre.
Ich war eins dieser Kann-Kinder, und weil die Gesellschaft so ist, wurde ich dann einfach
eingeschult. Ich war damals total überfordert, meine beste Note war eine 4.
Und trotz aller Anstrengungen ist es mir nie gelungen den Anschluss zu finden.
Es war eine schreckliche Zeit, weil ich 3 Jahre lang eine Lehrerin hatte, die ihre Argumente oder
deren Argumentation letztlich immer mit einer Rute durchgesetzt wurde, wenn man den Unterricht
gestört hatte, oder seine Hausaufgaben vergessen hatte, oder wie in meinem Fall, dass ich sie nicht
hin bekommen habe.
Dann musste man nach vorne kommen, dann musste man sich hinstellen und die Hände, beide Hände
artig nach vorne halten, um dann mit der Rute seine Strafe zu empfangen.
Und wenn man weg gezuckt hat, dann wurde es direkt mehr.
Man muss sich das einmal vorstellen, ich stehe da, ein kleiner beschissener Wurm, darf mir noch
aussuchen, ob ich die Schläge auf den Handrücken oder die Handinnenfläche haben will, und muss die
Hände dann schön ausgestreckt halten, und nur nicht weg zucken, weil sich sonst die Dosis erhöht.
Und dann hast du deine Finger dick geschlagen bekommen, und in der nächsten Stunde sollte dann
womöglich Schönschreiben stattfinden. Schönschreiben, wenn ich das schon höre.
Und wenn das dann wieder nicht so hingehauen hat, gab es sie wieder, die Schläge.
Es war eine absolut gruselige Zeit.
Und es vergingen nur wenige Tage, an denen es keine Schläge gab.
Aber dafür gab es mehrere Tage, wo dann doppelt oder dreifach zugeschlagen wurde.
Im 3. Schuljahr dann, immer noch mit den selben Prügellehrern, bin ich dann irgendwie krank
geworden, und konnte für 56 Tage nicht am Unterricht teilnehmen.
Das Resultat daraus war ein Sitzen bleiben.
Und ich kann mich noch daran erinnern, dass meine Mutter hingegangen ist, und gefragt hat, warum
man mich nicht zurückstellen würde, anstatt einfach sitzen zu bleiben.
Ja das sei jetzt halt so, und überhaupt sei es jetzt zu spät, um da irgend etwas daran zu verändern.
Ich weiß nur noch, dass sich in dem anderen Schuljahr unter anderen Lehren meine Schulnoten
schlagartig verbessert haben.
Und so wurde der Außenseiter in der Klasse, zum Außenseiter in der neuen Klasse.
Und ich glaube, ganz tief in mir drin, glaub ich heute, dass ich damals meine Prägungen erhalten
habe. Vielleicht die Prägung fürs Leben.
 
Es erinnert mich an die Zeit, wie ich als kleines Kind in dieses Krankenhaus kam, es war so etwas wie
eine Kinderisolierstation. Es war auch so etwas wie ein Katastrophenerlebnis.
7 Wochen im selben Schlafanzug und in der selben Unterwäsche, man gab den Erwachsenen die
Erklärung, dass sei besser fürs Kind, diese Isolation.
Kein Besuch, nichts.
Und täglich 3 Spitzen in den Oberschenkel.
Morgens, mittags und abends kamen sie rein, und hauten einem die Spritze in den Oberschenkel,
brutal, so brutal, dass ich darum gebittelt und gebettelt habe, sie mir selbst machen zu dürfen.
Und wenn ich Glück hatte mit der Krankenschwester, und sie ihren guten Tag hatte, dann hab ich sie
mir selber gemacht, diese Spritzen.
Ich glaube ich bin damals schon zu einem Tier geworden.
Ich weiß nicht wieso, aber immer dann, wenn mir irgend jemand in meinem Leben weh tun wollte, war
sie da, diese absolute Aggression.
Es ist mehr wie Wut oder Jähzorn.
Es hat etwas von der Urgewalt in einem Menschen. Ich weiß, es ist eine riesengroße Urgewalt in mir
gewesen. Und ich weiß noch ganz genau, wie ich immer nur herum gelaufen bin, und darauf gewartet
habe das jemand kommt, ich habe buchstäblich darauf gewartet, dass mich jemand reizt, damit ich
explodieren könnte, aber es ist eigentlich nie dazu gekommen.
Ein, zwei mal vielleicht, aber dann ist eigentlich auch nie etwas Großartiges passiert.
Es waren einfach nie Gegner, sondern Verlierer.
Und ich, ich bin vielleicht so etwas wie ein Killer geworden. Ich bin kein Mörder, wenn ich so bin,
sondern einfach nur ein Killer. Und es braucht immer etwas dafür, irgend eine Ungerechtigkeit, und
dann ist es immer in mir erwachsen, langsam ist es angeschwollen, wie ein Hahnenkamm, bis zu
diesem gewissen Punkt, wo du ohne Schmerzempfinden bist, wo deine Kraft keine Grenzen kennt, und
wo du dann explodierst.
In gewisser Weise ein Choleriker.
Aber ich konnte immer sehr gut damit umgehen, sodass ich eigentlich bis heute noch nur eine neue
Nase bezahlt habe, und dass nur, weil der Kerl mir von hinten in die Eier getreten hat.
Und ich ihn darauf hin zum Abstellen seiner Tasche aufgefordert habe.
Im Affekt hätte es mich wo möglich nichts gekostet. Was hätte er aber getan, wenn ich im Affekt
gehandelt hätte? Und was hätte ich getan, wenn ich im Affekt gehandelt hätte, einfach so?
Einfach so – ich glaube, einfach so, hat es nie in meinem Leben gegeben, oder doch?
Jetzt wo ich genau darüber nachdenke, finde ich Autofahren, das war einfach so.
Oder das was passiert, wenn sich heute meine Freundin bei mich legt, das ist auch einfach so.
Und doch ist es das auch wieder nicht.
Der Unfall ---- da oben im Wald.-----der war peng ---- und dann war es einfach so.
Oder gestern, gestern war auch wieder einer der Tage, die einfach so sind.
Ich bin gestern, in meinem Rollstuhl, ins Dorf gefahren und wie ich am Haus vom Egon Helmes
vorbeikomme, da denke ich mir: Fahr mal vorbei, vielleicht hat er ja ein bisschen Zeit.